Bosch: Arbeiter unterstützen die Bildung von Aktionskomitees

Bosch-Werk in Waiblingen, das geschlossen werden soll

In den vergangenen zwei Wochen sprachen Mitglieder der Sozialistischen Gleichheitspartei (SGP) mit Beschäftigten mehrerer Bosch-Werke in Baden-Württemberg. In zahlreichen Gesprächen – vor Werkstoren beim Schichtwechsel – äußerten Arbeiter ihre Ablehnung und ihren offenen Unmut gegenüber dem IG-Metall-Apparat. Viele unterstützten den Vorschlag, gewerkschaftsunabhängige Aktionskomitees aufzubauen – darunter sowohl IGM-Mitglieder als auch Kollegen, die der Gewerkschaft bereits den Rücken gekehrt haben.

Bosch plant den Abbau von 22.000 Arbeitsplätzen und die Schließung ganzer Werke. Mobilitätschef Markus Heyn und Arbeitsdirektor Grosch begründeten das Jobmassaker offen damit, dass der Gewinn innerhalb von zwei Jahren bis Ende 2026 auf sieben Milliarden Euro verdoppelt werden soll.

Der IGM-Apparat und der Gesamtbetriebsratsvorsitzende des Geschäftsbereichs Mobility, Frank Sell, signalisierten sofort Zustimmung – unter der Bedingung von „Standortsicherungen“. Seit fast einem Jahr setzen örtliche IGM-Funktionäre und Betriebsräte an einem Standort nach dem anderen den vom Konzern geforderten Arbeitsplatzabbau durch – begleitet von Lippenbekenntnissen zu Investitionen zur „Standortsicherung“.

Doch dagegen regt sich Widerstand. Bei der Bosch Automotive Steering GmbH in Schwäbisch Gmünd findet das auch im Betriebsrat einen Ausdruck. Dort widersetzte sich Betriebsrat Mustafa Simsek den geheimen Machenschaften des Betriebsratsgremiums und erhielt Unterstützung von mehr als zweihundert Arbeitern. Sie wollen nun eine neue Gewerkschaftsorganisation gründen und mit einer eigenen Liste bei den kommenden Betriebsratswahlen antreten.

Der IGM-Apparat reagierte auf diese Opposition mit altbewährter bürokratischer Unterdrückung und lehnte die Zulassung der Liste der „Freien Metaller” mit 89 Kandidaten für die Betriebsratswahlen im März aufgrund angeblicher Formfehler ab.

Die SGP stellte sich gegen diese Entscheidung und rief auf der World Socialist Web Site alle Kolleginnen und Kollegen bei Bosch auf, das Recht der Liste „Freie Metaller“, an der Betriebsratswahl teilnehmen zu können, zu verteidigen. Beschäftigte haben das Recht, „selbst zu entscheiden, wer sie im Betriebsrat vertreten soll“.

Mitglieder der SGP diskutierten diesen Artikel mit Arbeitern in Schwäbisch Gmünd, Feuerbach, Schwieberdingen und Waiblingen, um die Spaltung durch den IGM-Apparat aufzubrechen. Das ist ihr Bericht:

Schwäbisch Gmünd

Vor Werk I sprechen die meisten Arbeiter wütend über die IG Metall und zugleich besorgt um ihre Arbeitsplätze. Die Atmosphäre in der Fabrikhalle ist angespannt, fast gedrückt. Viele wissen nicht, wie es weitergehen soll. Die Arbeitsbedingungen verschärfen sich, die Überwachung durch Vorgesetzte nimmt spürbar zu. Seit der Ankündigung der Stellenstreichungen im November werden zahlreiche Beschäftigte unter Druck gesetzt, gegen Abfindung zu kündigen. Einige befürchten, dass der Abbau noch weit über die angekündigten Zahlen hinausgehen wird – ihre Erfahrungen hätten gezeigt, dass Vereinbarungen zwischen IG Metall und Geschäftsleitung nie eingehalten worden seien.

Im Werk II im Schießtal, das Ende 2027 geschlossen werden soll, nimmt jeder Arbeiter den Flyer mit. Ein junger Arbeiter berichtet, er sei praktisch gezwungen worden, die Abfindung anzunehmen und zu gehen. „Ich habe hier sieben Jahre lang gearbeitet“, sagt er, „was ich in Zukunft machen soll, weiß ich nicht“. Nicht nur Bosch schließe das Werk, sondern mehrere kleine und große Werke in der Region. „Es wird sehr schwierig werden, in Zukunft einen Job zu finden“, resümiert er.

K. Nesan diskutiert mit einem Bosch-Arbeiter

Ein anderer Arbeiter erklärt, niemand unter den Kollegen habe die Vereinbarung zwischen IG Metall und Geschäftsleitung zur Schließung akzeptiert. Die IG Metall habe ihnen lediglich mitgeteilt, dass nichts getan werden könne, um das Werk zu retten. „Sie haben gesagt, dass jedem sozialverträgliche Lösungen angeboten würden, aber ich habe das Gegenteil gehört.“

Ein Arbeiter aus Werk I, seit 1987 im Betrieb, berichtet, er werde noch bis Ende 2027 arbeiten. Nach Jahrzehnten im Unternehmen wieder ganz von vorne anfangen zu müssen, sei eine bittere Enttäuschung. Auf die IG Metall angesprochen, reagiert er sofort: „Du brauchst mir die Rolle der IG Metall nicht zu erklären. Ich bin Mitte der 90er Jahre ausgetreten und hatte genug Zeit, die Machenschaften zu beobachten.“

Das Interesse an den Betriebsratswahlen im März scheint gering. Ein Arbeiter bringt die verbreitete Stimmung auf den Punkt: „Wenn es Wahlen gibt, kommen die Kandidaten und quatschen mit dir, aber nach den Wahlen laufen wir ihnen hinterher, wann immer wir etwas brauchen.“ Außerdem würden sie „hinter unserem Rücken heimlich mit der Unternehmensleitung über unser Schicksal verhandeln“, was immer in einer Katastrophe ende.

Belegschaften anderer Standorte wissen nichts von den Auseinandersetzungen in Schwäbisch Gmünd. IGM-Betriebsräte verhindern systematisch jeden Austausch zwischen den Werken.

Feuerbach

In Feuerbach, wo bis zu 3.500 Stellen in Entwicklung, Verwaltung und Produktion wegfallen sollen, hören viele Arbeiter erstmals von den Vorgängen in Schwäbisch Gmünd. Beim Schichtwechsel nehmen alle das Flugblatt mit. Mehrere berichten, sie hätten bereits ihren Arbeitsplatz verloren und seien mit der Abfindung unzufrieden.

Ein junger Arbeiter, der im vergangenen Jahr seine Ausbildung zum Elektrotechniker abgeschlossen hat, beschwert sich, dass er in der Fertigung eingesetzt wird. Nicht nur er, sondern die meisten Auszubildenden würden in ungelernter Produktion arbeiten.

Die Personalabteilung habe ihm vor sechs Monaten versprochen, ihn auf einen ausbildungsentsprechenden Arbeitsplatz zu versetzen – passiert sei nichts. „Meine Kollegen haben die gleichen Erfahrungen gemacht“, sagt er. „Einige haben das Unternehmen schon verlassen.“ Er vermutet System dahinter: „Das frustriert und bringt einen dazu, seinen Arbeitsplatz zu aufzugeben.“ Seit diesem Jahr erhielten Auszubildende nur noch einen auf ein Jahr befristeten Vertrag.

Er sei Mitglied der IG Metall, doch das helfe ihm nicht: „Ich denke auch darüber nach, mir anderswo einen entsprechenden Arbeitsplatz zu suchen. Aber die Aussichten sind sehr düster.“

Ein anderer junger Kollege meint, sein Arbeitsplatz sei momentan wohl sicher, doch er sei skeptisch, was in den nächsten Monaten komme. Die IG Metall habe zugestimmt, die jeweils einmal jährlich ausgezahlten tariflichen Zusatzgelder T-ZUG A (27,5 Prozent des durchschnittlichen Monatsentgelts) und T-ZUG B (26,5 Prozent des Tarifentgelts) abzuschaffen. Auch Nachtzuschläge und Weihnachtsgeld würden gekürzt. Er kritisiert ebenfalls die Geheimverhandlungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung: „Keiner kennt den Inhalt.“

Waiblingen

In Waiblingen schließt Bosch sein seit 70 Jahren bestehendes Werk und baut bis Ende 2028 insgesamt 560 Arbeitsplätze ab. Zunächst zögern Arbeiter, mit uns zu sprechen. Zuvor seien bereits pseudo-linke Gruppen und Parteien erschienen, die angeblich helfen wollten – tatsächlich aber den IGM-Apparat unterstützten.

Doch nachdem sie die Überschrift unseres Flugblatts lesen – Bosch in Schwäbisch Gmünd: Verteidigt die innerbetriebliche Opposition gegen den IG-Metall-Apparat! Baut unabhängige Aktionskomitees auf! – bleiben viele stehen. Sie halten den Widerstand in Schwäbisch Gmünd für wichtig. Fast alle sagen, sie könnten nichts zu den laufenden Verhandlungen bei ihnen sagen. „Keiner glaubt, dass diese Verhandlungen die Schließung verhindern können“, fasst ein Arbeiter zusammen.

Ein Kollege berichtet: „Ich bin bis vor kurzem Vertrauensmann gewesen, ich habe das aufgegeben, ich will nichts mehr mit der IG Metall zu tun haben, einer Organisation, die ihre Mitglieder ständig belügt. Es ist moralisch gerechtfertigt, sich von ihnen zu distanzieren und in diesen schwierigen Zeiten zu den Arbeitern zu stehen.“

Im Werk hängt noch immer ein Transparent der IG Metall mit dem zynischen Spruch „Zukunft gibt es nur mit uns“. Die Zukunft, die die IG Metall anbietet, bedeutet für die Beschäftigten Stellenabbau, Werksschließungen und sozialen Abstieg.

Trotz ihrer Wut betrachten viele Arbeiter die Schließung als vollendete Tatsache. Jahrzehntelanger Verrat durch die IGM-Bürokratie hat sie zermürbt.

Einer stimmt unserer Einschätzung zu, dass der Zweck der Gewerkschaftsapparate darin bestehe, unabhängige Kämpfe zu entschärfen und Sparprogramme durchzusetzen. Aktionskomitees hält er für eine „gute Sache“.

Unsere Gespräche zeigen: Der Unmut gegen die Apparatschiks der IG Metall ist enorm und entwickelt sich zu einer „Rebellion gegen die IG Metall“. Gleichzeitig hat die jahrzehntelange Erfahrung mit Niederlagen das Vertrauen in gewerkschaftliche Politik zerstört. Viele verstehen, dass es nicht nur um einzelne korrupte Betriebsräte oder Karrieristen geht, sondern für den Kampf um Rechte und Errungenschaften mehr erforderlich ist, als einige Köpfe auszutauschen. Umso wichtiger ist es, sich nun unabhängig vom Gewerkschaftsapparat zu organisieren.

Die im Artikel genannten beiden grundlegenden Prinzipien, auf denen sich Aktionskomitees stützen müssen, sind daher angeregt diskutiert worden:

  1. Die Aktionskomitees müssen die Belegschaften über Standorte, Unternehmen, Branchen und Länder hinweg verbinden, indem sie sich der Internationalen Arbeiterallianz der Aktionskomitees anschließen. Die Spaltung durch die Gewerkschaften muss überwunden werden. Ein Angriff auf einen ist ein Angriff auf alle Standorte und ihre Beschäftigten.
  2. Die Aktionskomitees müssen eine Perspektive verfolgen, die über den Kapitalismus hinausreicht – also über das Privateigentum an Produktionsmitteln und das nationale Konkurrenzsystem, das die Gewerkschaftsapparate so vehement verteidigen. Es ist nicht möglich, Arbeitsplätze und Löhne zu verteidigen und gleichzeitig die Bedingungen des Marktes und des internationalen Konkurrenzdrucks zu akzeptieren. Dann landet man zwangsläufig bei der Politik der IG Metall und all der anderen Gewerkschaften. Die entscheidende Frage lautet: Wer bestimmt über die Produktion – die Aktionäre oder die Arbeiterinnen und Arbeiter, die alles aufgebaut haben?

Viele reagierten zustimmend auf den Aufruf, die Spaltung durch die IG Metall zu überwinden. Der Zustimmung in Worten müssen nun Taten folgen. Kontaktiert uns dazu per WhatsApp an die +491633378340, oder füllt das folgende Formular aus.

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