Perspektive

Krieg gegen den Iran

Im Krieg gegen den Iran droht eine Bodeninvasion der USA

Auf diesem Foto der US-Marine ist das amphibische Angriffsschiff USS Bataan zu sehen, wie es im Juli 2023 den Atlantik durchquert. Tausende Marines sind jetzt auf dem Weg in den Persischen Golf. [AP Photo/Mass Communication Specialist 2nd Class Danilo Reynoso/U.S. Navy, via AP]

Weniger als drei Wochen, nachdem die Vereinigten Staaten und Israel ihren verbrecherischen Krieg gegen den Iran vom Zaun gebrochen haben, wird eine Bodeninvasion amerikanischer Truppen vorbereitet. Damit könnte sich der Konflikt zu einem globalen Flächenbrand ausweiten.

Innerhalb weniger Tage werden rund 7.500 US-Marines in der Region eintreffen. Drei amphibische US-Angriffsverbände sind beteiligt: Die USS-Tripoli-Gruppe wurde aus dem asiatisch-pazifischen Raum umdirigiert. Das Personal der in Kalifornien stationierten USS Boxer Amphibious Ready Group brach seinen Urlaub ab, um früher in Richtung Nahost auszulaufen. Eine dritte, ähnlich große Einheit von Marines ist ebenfalls auf dem Weg in die Region.

Die katastrophalen Folgen einer Bodeninvasion ergeben sich aus dem verbrecherischen Charakter des Kriegs. Keine zwei Tage, nachdem sich amerikanische und iranische Diplomaten in Genf zu einer dritten Gesprächsrunde getroffen hatten, gab US-Präsident Donald Trump in der Nacht des 28. Februar den Kriegsbeginn bekannt. Das erklärte Ziel ist die Zerstörung der iranischen Gesellschaft, wie Trump und sein faschistischer Kriegsminister Pete Hegseth mehrfach bekräftigt haben. Am Freitag brüstete sich Trump erneut mit den gezielten Tötungen, durch die amerikanische und israelische Streitkräfte bereits zahlreiche führende Militärs und Politiker des Iran ermordet haben, darunter den Obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei. Trump erklärte: „Sie sind alle weg… Wir würden gerne mit ihnen reden, aber wir haben niemanden mehr zum Reden. So gefällt uns das.“

Diese Mafiasprüche können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Vernichtungskrieg den amerikanischen und den Weltimperialismus in eine Krise getrieben hat. Trumps Plan, das bürgerlich-klerikale Regime in Teheran zu enthaupten und einen „Regimewechsel“ herbeizubomben, ist gescheitert. Der Iran hat die Kontrolle über die Straße von Hormus übernommen und Vergeltungsschläge gegen US-Stützpunkte und Energieinfrastruktur in der gesamten Golfregion geführt. Die Öl- und Gaspreise sind in die Höhe geschossen und drohen, in den imperialistischen Zentren Nordamerikas und Europas soziale und wirtschaftliche Unruhen auszulösen. Die hohe Inflation lässt Millionen verarmen.

Die einzige Antwort, die der Gangster im Weißen Haus zu bieten hat, ist eine noch aggressivere Kriegführung. Das Nachrichtenportal Axios berichtete am Freitag unter Berufung auf drei Quellen im Weißen Haus, dass der Einsatz von Bodentruppen „ernsthaft erwogen“ werde. Eines der wahrscheinlichsten Szenarien ist der Versuch, die Insel Kharg zu erobern, über die rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden. Trump erklärte Reportern am Donnerstag, er werde „nirgendwo Truppen hinschicken“, fügte aber im Stil eines Diktators hinzu: „Wenn ich es täte, würde ich es Ihnen sicher nicht sagen.“

Trump mag sich, wie Hitler vor ihm, einreden, dass er allein den Kriegsverlauf bestimmen kann. In Wirklichkeit ist schon durch die Entsendung einer so großen Anzahl Soldaten ihr Einsatz so gut wie unvermeidlich geworden. Die Alternative wäre ein demütigender Rückzug Washingtons. Angesichts des Kampfs der Großmächte um Rohstoffe, billige Arbeitskräfte, geostrategischen Einfluss und die Kontrolle über Handelsrouten könnte Trump einen solchen Rückzieher politisch kaum überleben.

Der Einsatz von Bodentruppen wird die Eskalationsdynamik verstärken. Die bisherige Zahl von 13 gefallenen US-Soldaten wird sich rasch vervielfachen und die Entsendung immer größerer Truppenkontingente nach sich ziehen. Der Iran wäre in der Lage, amerikanische Stellungen auf der nur 25 km vor der Küste liegenden Insel Kharg anzugreifen. Dasselbe gilt für Stellungen entlang der iranischen Festlandküste, falls dort Operationen eingeleitet würden. Der Iran, ein Land mit 93 Millionen Einwohnern, verfügt über Ressourcen, um seine Verteidigungsstellungen zu verstärken. Ein australischer Thinktank zog einen Vergleich mit der Offensive von 1915, bei der Großbritannien und seine Verbündeten im Ersten Weltkrieg die Halbinsel Gallipoli erobern wollten. Der Versuch forderte mehr als 250.000 Tote und scheiterte am Ende.

Dies ist nicht der einzige Vergleich, den man zwischen dem gegenwärtigen Konflikt und dem Ersten Weltkrieg ziehen kann. Eine weitere Parallele ist die Geschwindigkeit, mit der alle großen imperialistischen Mächte in den Krieg hineingezogen werden. Zu Beginn der Woche erklärten die europäischen Imperialisten bei einem Treffen der Außenminister in Brüssel noch, dies sei „nicht unser Krieg“. Doch schon am Donnerstag veröffentlichten Großbritannien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande und Japan eine Erklärung, in der sie sich zur Beteiligung an der Öffnung der Straße von Hormus verpflichteten. Am Freitag gab Großbritannien bekannt, dass es den USA die Nutzung seiner Stützpunkte für Angriffe auf iranische Ziele erlaubt, die dazu verwendet werden, Schiffe an der Durchfahrt zu hindern. Hinter den verzweifelten Versuchen der europäischen Mächte, den Krieg zu einem raschen Ende zu bringen, steht vor allem die Befürchtung, dass ein langwieriger Krieg ihre Volkswirtschaften durch hohe Energiepreise lähmen, der Ukraine die US-amerikanischen Waffen entziehen und dem Kreml höhere Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft bescheren wird.

Die Ursache für die Ausweitung des Kriegs liegt in der Krise des Kapitalismus, im unversöhnlichen Widerspruch zwischen Weltwirtschaft und Nationalstaat sowie zwischen gesellschaftlicher Produktion und dem Privateigentum an den Produktionsmitteln in den Händen einer winzigen Finanzoligarchie. Die Oligarchie, für die Trump spricht, hofft, dass die USA durch die Aneignung der iranischen Energieressourcen und die Verdrängung Russlands und Chinas aus dem Nahen Osten ihren wirtschaftlichen Niedergang überwinden können.

Das Ziel Washingtons ist es, das 20. Jahrhundert auszulöschen. Die sozialen und politischen Errungenschaften, die die Arbeiterklasse in den revolutionären und antikolonialen Kämpfen dieser Periode erkämpft hat, sollen rückgängig gemacht und die Welt in die nackte koloniale Unterdrückung zurückversetzt werden, die den Beginn des Imperialismus im späten 19. Jahrhundert kennzeichnete – mit dem einzigen Unterschied, dass die USA und nicht Großbritannien die unangefochtene Hegemonialmacht sein sollen. Um diese Strategie zu verwirklichen, muss die herrschende Klasse neben der militärischen Kriegführung nach außen den Klassenkampf im Innern verschärfen. Deshalb stößt Trumps Operation zur Errichtung einer Diktatur in den USA auf keinen wirklichen Widerstand innerhalb der herrschenden Klasse, und deshalb integrieren auch die Herrschenden in Europa systematisch rechtsextreme Parteien in die etablierte Politik.

Die World Socialist Web Site hat von Anfang an den verbrecherischen Charakter dieses Kriegs und sein Eskalationspotenzial aufgedeckt. Am ersten Tag des Kriegs schrieb David North, der Leiter der Internationalen Redaktion der WSWS:

Dieser Krieg wird weder die interne soziale Krise der amerikanischen Gesellschaft lösen, noch die anhaltende Verschlechterung der globalen Stellung des US-Kapitalismus aufhalten.

All diese Widersprüche, sowohl innenpolitischer als auch internationaler Natur, werden sich nur verschärfen. Der Krieg selbst wird unweigerlich eskalieren und den gesamten Planeten erfassen.

Trump gab die Dimensionen des von ihm entfesselten Kriegs mehr oder weniger zu, als er bei einem Treffen mit der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi am 19. März im Weißen Haus die Bombardierung des Iran durch die USA und Israel mit dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor von 1941 verglich. Auf die Frage eines Reporters, warum Japan und andere US-Verbündete nicht vorab über den Krieg informiert wurden, erklärte Trump: „Wir haben es niemandem gesagt, weil wir den Überraschungseffekt wollten. Wer weiß besser über Überraschungsangriffe Bescheid als Japan, ok? Warum haben Sie mir nicht von Pearl Harbor erzählt, ok? Richtig?“

Der Angriff Japans auf Pearl Harbor, den US-Marinestützpunkt auf Hawai, im Dezember 1941 führte zum Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg. Am Ende des Gemetzels 1945 hatte der Krieg über 80 Millionen Menschenleben gefordert und unvorstellbare Gräueltaten hinterlassen, den Völkermord der Nazis an den europäischen Juden und den Abwurf zweier US-Atombomben auf japanische Städte. Washington und seine imperialistischen Rivalen sind bereit, heute nicht weniger brutale Methoden einzusetzen, um bei der Neuaufteilung der Welt ihren Anteil an der Beute zu sichern.

Um der imperialistischen Barbarei Einhalt zu gebieten, muss die internationale Arbeiterklasse für die sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft mobilisiert werden. Arbeiter in den imperialistischen Ländern haben kein Interesse daran, für die Raubkriege der Herrschenden zu bezahlen – durch exorbitante Preissteigerungen, Arbeitsplatzvernichtung und Sozialkürzungen. Ihre natürlichen Verbündeten im Kampf, dem amerikanischen und europäischen Imperialismus eine Niederlage beizubringen, sind die Arbeiter im Iran und im gesamten Nahen Osten. Diese können die imperialistische Eroberung nur zurückschlagen, indem sie sich in den weltweiten Kampf für den Sozialismus einreihen, damit die politische Macht in die Hände der Arbeiterklasse übergeht. Dies ist das Programm, das die World Socialist Web Site und das Internationale Komitee der Vierten Internationale vertreten.

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