14 Todesopfer bei Brand in südkoreanischem Autoteilewerk

Am 20. März wurden bei einem verheerenden Brand in einem Autoteilewerk im südkoreanischen Daejeon 14 Arbeiter getötet und weitere 60 verletzt, mindestens 25 davon schwer. Die Tragödie verdeutlicht einmal mehr die zunehmende Vernachlässigung der Sicherheit und des Lebens von Arbeitern durch Konzerne und Behörden – nicht nur in Südkorea, sondern auf der ganzen Welt und insbesondere in der Autoindustrie.

Rauchschwaden von einem schweren Brand in einem Autoteilewerk im südkoreanischen Daejeon am 20. März 2026

Videoaufnahmen des Brandes in dem dreistöckigen Werk Anjun Industrial in der fünftgrößten Stadt Südkoreas zeigen, wie Menschen aus dem ersten Stock springen. Nam Deuk-woo, ein Chef der örtlichen Feuerwehr, erklärte gegenüber der Presse, das Feuer habe sich so schnell ausgebreitet, dass die Arbeiter bereits aus den Fenstern sprangen, als die Feuerwehr eintraf.

Einige der Toten waren so stark verbrannt, dass ihre Leichen mit DNA-Tests identifiziert werden mussten. Neun der 14 Toten wurden laut Berichten in einem Raum im dritten Stock gefunden, der als improvisierter Fitness- und Pausenraum benutzt wurde. Laut den Rettungskräften hatten einige der Verletzten Rauch eingeatmet, andere verletzten sich beim Sprung aus dem Gebäude.

Am Samstagmorgen befanden sich 28 Arbeiter im Krankenhaus; vier davon wurden wegen Knochenbrüchen und anderen Verletzungen operiert.

Es sollen sich etwa 170 Arbeiter in der Fabrik aufgehalten haben, als der Brand am Freitag um 13:18 Uhr gemeldet wurde. Die Löscharbeiten zogen sich mehr als 24 Stunden hin, bis Samstagnachmittag Ortszeit.

Die Feuerwehr konnte sich erst mit Verspätung Zugang zu dem Gebäude verschaffen, weil befürchtet wurde, es könnte einstürzen. Das Feuer konnte nicht sofort mit Wasser bekämpft werden, weil auf dem Geländer Natrium gelagert wurde, das bei Kontakt mit Wasser explodieren kann. Schließlich wurden mehr als 200 Kilogramm hochgradig reaktive Chemikalien aus dem Werk entfernt.

Laut offiziellen Stellen wird die Brandursache noch untersucht. Doch die Feuerwehr vermutet Berichten zufolge, dass Ölrückstände und Staubansammlungen im Inneren der Fabrik zur schnellen Ausbreitung des Feuers beigetragen haben. Zeugen berichteten von einer Explosion.

Laut dem Korea Herald geht die Feuerwehr davon aus, dass die Flammen im ersten Stock ausgebrochen sind, woraufhin dichter Rauch innerhalb von Minuten durch ein Treppenhaus und in die oberen Geschosse eindrang. Reste von Schneideöl und Schmierfett an den Maschinen wirkten dem Artikel zufolge als Brandbeschleuniger.

Der Pausenraum, in dem neun Todesopfer gefunden wurden, war laut den Behörden nicht Teil des ursprünglichen Gebäudeplans, sondern wurde informell im Inneren der Fabrik errichtet. Die Nachrichtenagentur berichtete: „Diese Anordnung könnte die Fluchtwege verengt und die Luftzirkulation durch die wenigen Fenster an der Seite eingeschränkt haben.“

Ein Feuerwehrbeamter erklärte gegenüber der Zeitung:

Es gab keine Fenster an der Frontseite des Raums, nur eine einzige Fensterreihe an einer Wand, daher war die Belüftung äußerst schlecht. Als das Feuer ausbrach, konnte der Rauch wahrscheinlich schlecht entweichen, und die baulichen Einschränkungen scheinen zur hohen Zahl von Todesopfern beigetragen zu haben. Unterhalb der Seitenfenster befanden sich zudem Hindernisse, die es schwierig machten, sich durch einen Sprung in Sicherheit zu bringen.

Diese Kombination aus gefährlichen Materialien wie Schneideöl und Rückstände von der Metallbearbeitung sowie die illegalen Veränderungen weisen darauf hin, dass die Katastrophe kein schrecklicher Einzelfall ist, sondern auf systemische Faktoren zurückzuführen ist.

Anjun Industrial ist ein mittelgroßer Zuliefererbetrieb, der Motorventile herstellt. Laut seiner Website beliefert er u.a. die südkoreanischen Autokonzerne Hyundai und Kia. Laut offiziellen Unterlagen besteht keine dokumentierte Eigentümer- und Kontrollbeziehung mit den Unternehmen. Anjun gründete im Jahr 2009 eine Tochtergesellschaft in den USA.

Der Brand ist der tödlichste in einer südkoreanischen Fabrik seit dem Tod von 23 Arbeitern in einem Lithiumbatteriewerk in Hwaseong nahe Seoul im Jahr 2024. Er ist Teil einer ganzen Serie tödlicher Vorfälle. Laut der offiziellen Statistik wurden in Südkorea von 2000 bis 2024 mehr als 10.000 Arbeiter bei Arbeitsunfällen getötet.

Obwohl die Regierung von Präsident Lee Jae Myung von der Demokratischen Partei, der seit letztem Juni im Amt ist, Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit in den Betrieben angekündigt hat, setzt sich diese hohe Zahl an Unfällen fort.

Erst letzten November kamen innerhalb von zwei Tagen acht Arbeiter bei Industrieunfällen ums Leben: Ein Kraftwerk der staatlichen Korea East West Power Company in Ulsan stürzte ein, als es von einem Subunternehmen für den Abriss vorbereitet wurde, und in einem Stahlwerk von POSCO in Pohang bei Ulsan trat Giftgas aus.

Laut Statistiken der Regierung häufen sich die Todesfälle zunehmend in kleineren Betrieben und Firmen. Diese werden von den Großkonglomeraten wie Hyundai und Kia als Subunternehmer nach dem Prinzip des niedrigsten Angebots verpflichtet, um Kosten zu senken, die Löhne und Arbeitsbedingungen der Arbeiter zu verschlechtern und ihre Gewinne zu steigern.

Studien zur Arbeitssicherheit in der südkoreanischen Industrie weisen auf chronische Probleme hin: unterfinanzierte Inspektionsbehörden, das Vertuschen oder Herunterspielen von nichttödlichen Unfällen durch die Unternehmen und ein Missverhältnis zwischen angeblich strengen Gesetzen und deren Durchsetzung. Gefährliche Aufgaben werden an Subunternehmen ausgelagert, die ihre Beschäftigten kaum schützen.

Im Hyundai-Stahlwerk in Dangjin beispielsweise ist die Verletzungsrate bei Arbeitern der Subunternehmen bis zu zehnmal höher als bei direkt angestellten Arbeitern.

Der 2022 eingeführte Serious Accidents Punishment Act (SAPA, Gesetz zur Bestrafung schwerer Unfälle) sieht Haftstrafen von mindestens einem Jahr und Geldstrafen von bis zu einer Milliarde Won für Chefs vor, die in ihren Unternehmen nicht für Sicherheit sorgen, und bei denen es zu einem schweren Unfall kommt. In der Praxis wurden jedoch zwischen 2022 und 2024 nur 15 Führungskräfte verurteilt, die fast alle Bewährungsstrafen von ein bis drei Jahren und vergleichsweise geringe Geldstrafen erhielten.

In mehreren Fällen haben die Gerichte die Hauptauftragnehmer gemäß SAPA freigesprochen, da sie der „Sicherheitsflicht nachgekommen“ seien. Dadurch wurde die rechtliche Verantwortung faktisch auf kleinere Subunternehmer abgewälzt – selbst wenn Untersuchungen schwere Sicherheitsmängel in den Betrieben festgestellt hatten.

Präsident Lee besuchte am Samstagnachmittag den Schauplatz der Katastrophe von Anjun, um rituelle Schadensbegrenzung zu betreiben. Er traf sich mit Angehörigen der Opfer und forderte Sicherheitsmaßnahmen, um während der Sucharbeiten einen Einsturz des beschädigten Gebäudes zu verhindern. Danach besuchte er verletzte Arbeiter im nahegelegenen Krankenhaus.

Berichten zufolge wurden mehrere Untersuchungen und Überprüfungen der Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet. Das Landesministerium kündigte eine Neubewertung der Gebäudesicherheitsvorschriften an, u.a. derjenigen, die den illegal gebauten Pausenraum betreffen. Die Nationale Brandschutzbehörde und das Arbeitsministerium kündigten Notfallinspektionen in ähnlichen Betrieben im ganzen Land an.

Anjuns Vorstandschef Sohn Ju-hwan postete auf der Website des Unternehmens eine Erklärung, in der er die uneingeschränkte Kooperation des Unternehmens mit den Behörden und die Umsetzung aller notwendigen Maßnahmen ankündigte, um einen erneuten Vorfall zu verhindern.

Angesichts der bisherigen Erfahrungen mit solchen Untersuchungen durch Arbeitgeber und Behörden werden die Ergebnisse letztlich nur Vertuschungen sein, die die Wirtschaftselite schützen.

Die Gewerkschaftsbürokratie trägt an diesen Zuständen eine ebenso große Mitschuld. Nach den tödlichen Arbeitsunfällen im letzten November behauptete Arbeitsminister Kim Yeong-hun, ehemaliger Vorsitzender des koreanischen Gewerkschaftsbundes KCTU, die Regierung werde „proaktiv eine verbindliche Untersuchung einleiten, darunter auch Durchsuchungen und Beschlagnahmen“, um die Ursachen „gründlich zu ermitteln“.

Lee berief Kim, der von 2010 bis 2012 Chef des KCTU war, auf seinen Posten. Der KCTU inszeniert sich zwar als „militant“, unterstützt aber Lees Demokratische Partei, eine der beiden Parteien des südkoreanischen Großkapitals. Die Gewerkschaften haben nicht zu Streiks aufgerufen, um das Leben der Arbeiter zu verteidigen, und sie leisten keinen Widerstand gegen Lees wirtschaftsfreundliche Regierung.

Arbeiter sind weltweit mit den gleichen Problemen konfrontiert. In den USA sterben jedes Jahr mehr als 5.000 Arbeiter bei Betriebsunfällen – eine Zahl, die die tatsächliche Zahl der Todesopfer durch Berufskrankheiten noch deutlich unterschätzt. Die Autoindustrie gehört zu den gefährlichsten Branchen.

Am 7. März sind es elf Monate, seit der 63-jährige Ronald Adams Senior im Stellantis-Motorenwerk in Dundee (Michigan) ums Leben gekommen ist. Seine Witwe Shamenia Stewart-Adams und seine Kollegen haben noch immer keine offizielle Erklärung über den Hergang bekommen. Die Arbeitsschutzbehörde von Michigan hat keine Ergebnisse veröffentlicht, auch die Gewerkschaft UAW hat sich nicht geäußert.

Eine unabhängige Untersuchung der Internationalen Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC), die im Juli 2025 ihre ersten Ergebnisse vorlegte, lieferte Beweise für weit verbreitete Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften durch das Management, u.a. die überstürzte Fertigstellung der Umrüstung des Motorenwerks. Gewerkschaftsfunktionäre, von UAW-Präsident Shawn Fain abwärts, haben keinen Widerstand dagegen geleistet, sondern diese lebensgefährlichen Bedingungen durchgesetzt und sich anschließend an der Vertuschung durch das Unternehmen beteiligt.

Der weltweite Aufbau von Aktionskomitees gegen die Zusammenarbeit der Gewerkschaften mit dem Management ist von entscheidender Bedeutung im Kampf für die Kontrolle der Arbeiter über Sicherheit und Produktion. Dies muss mit einem politischen Kampf zur Vereinigung der vollen Macht der Arbeiter aller Industriebranchen und über nationale Grenzen hinweg verbunden werden, mit dem Ziel, die Kontrolle über die internationale Autoindustrie zu erlangen und in öffentliche Versorgungsbetriebe umzuwandeln. Dies wiederum muss Teil der sozialistischen Umgestaltung der Weltwirtschaft sein, die dem Schutz des Lebens der Arbeiter und der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse dient, nicht den Konzernprofiten und dem Krieg.

Loading