Im gesamten Technologiesektor reißen die Schockwellen nicht ab. Die Massenentlassungen in den Vereinigten Staaten nehmen Fahrt auf, und hunderttausende Arbeitsplätze werden abgebaut. Die herrschende Klasse setzt künstliche Intelligenz und andere technologische Fortschritte gezielt ein, um weite Teile der Belegschaften zu beseitigen.
Allein in der vergangenen Woche kündigte Meta 8.000 Entlassungen an und fror 6.000 offene Stellen ein, während Microsoft Pläne für bis zu 8.750 freiwillige Abfindungsangebote vorstellte. Dies folgt auf eine Welle früherer Kürzungen, darunter 30.000 Entlassungen bei Oracle im März und 4.000 Stellenstreichungen – fast 40 Prozent der Belegschaft – beim Software-Unternehmen Block, der Muttergesellschaft von Square Cash bzw. der Cash App. Block-CEO Jack Dorsey verdeutlichte die weiterreichenden Auswirkungen und erklärte: „Ich glaube, dass die Mehrheit der Unternehmen im Laufe des nächsten Jahres zu demselben Schluss kommen und ähnliche strukturelle Veränderungen vornehmen wird.“
Das Ausmaß dieser Offensive ist enorm. Allein im ersten Quartal 2026 wurden laut Challenger, Gray and Christmas in der gesamten US-Wirtschaft 217.362 Stellenstreichungen angekündigt. Davon wurden 27.645 ausdrücklich der künstlichen Intelligenz zugeschrieben, darunter ein Viertel aller Entlassungen im März.
Auffällig ist, dass diese Stellenstreichungen nicht auf eine schwache Konjunktur zurückzuführen sind. Die Unternehmen, die sie vornehmen, gehören zu den profitabelsten der Welt. Während sie gerade Zehntausende von Mitarbeitern entlassen, investieren sie gleichzeitig beispiellose Summen in die KI-Infrastruktur. Meta rechnet für dieses Jahr mit Investitionsausgaben von bis zu 145 Milliarden Dollar. Amazon gab allein im ersten Quartal 44,2 Milliarden Dollar für seinen Cloud-Bereich aus, während Microsoft ein rasantes Wachstum in seinem KI-gesteuerten Cloud-Geschäft vermeldete. Ein kürzlich erschienener Artikel im Wall Street Journal verkündete das Zeitalter der „Mega-Entlassungen“ und stellte fest, dass der Aktienmarkt Unternehmen aktiv dafür belohnt, wenn sie groß angelegte Stellenstreichungen ankündigen, insbesondere wenn diese mit einer Umstrukturierung im KI-Bereich verbunden sind.
Treibende Kraft hinter diesem Prozess ist nicht nur das Versprechen höherer Produktivität, sondern auch die Erwartung in den herrschenden Kreisen, dass neue Technologien den Bedarf an menschlicher Arbeitskraft drastisch reduzieren oder sogar ganz beseitigen werden. Mustafa Suleyman, Leiter der KI-Sparte von Microsoft, prognostizierte kürzlich, dass „die meisten, wenn nicht sogar alle beruflichen Aufgaben“ innerhalb der nächsten zwölf bis achtzehn Monate automatisiert werden könnten. Salesforce-CEO Marc Benioff erklärte ebenfalls, dass „wir die letzte Generation sind, die nur Menschen führt.“ Der OpenAI-Investor Vinod Khosla prognostizierte gegenüber dem Magazin Fortune, dass 80 Prozent aller Tätigkeiten bis 2030 „von einer KI erledigt werden können.“
Die Umwälzungen in der Tech-Branche sind nur die Spitze eines viel umfassenderen Wandels. In der gesamten Wirtschaft werden Arbeitsplätze in der Logistik, im verarbeitenden Gewerbe und im öffentlichen Sektor abgebaut. Die Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst wurde um Hunderttausende reduziert, da der Staat umgestaltet wird, um den Interessen des Finanzkapitals und des Militarismus zu dienen.
In der Automobilindustrie nehmen die Entlassungen angesichts rückläufiger Verkaufszahlen bei Elektrofahrzeugen und des geringeren Arbeitskräftebedarfs bei der Produktion von Elektroautos zu, wobei General Motors in seinem Vorzeigewerk „Factory Zero“ in Detroit auf nur noch eine Schicht umstellt.
Die umfangreichsten Stellenstreichungen unter den Konzernen finden bei UPS statt, wo eine umfassende Umstrukturierung unter dem Motto „Netzwerk der Zukunft“ durchgeführt wird, die darauf abzielt, große Teile der Belegschaft in den Lagern abzubauen. Am Mittwoch kündigte das Unternehmen Pläne an, in diesem Jahr weitere 27 Paketzentren zu schließen. Unterdessen wird eine künstlich herbeigeführte Finanzkrise beim U.S. Postal Service genutzt, um die Pensionsverpflichtungen zu kürzen und Privatisierungspläne voranzutreiben.
Doch für eine ganze Schicht von Softwareingenieuren, Entwicklern, Analysten und anderen technischen Fachkräften ist das Jobmassaker im Hightech-Sektor ein besonders abrupter Einbruch. Während des jahrzehntelangen Wachstums des Tech-Sektors wurden sie dazu ermutigt, sich als Teil einer privilegierten „Mittelschicht“ zu sehen, abgeschirmt von den Unsicherheiten, mit denen andere Arbeiter konfrontiert waren. Hohe Gehälter, Aktienoptionen und der Mythos der Start-Up-Wirtschaft nährten den Glauben, sie stünden außerhalb der grundlegenden Klassenunterschiede der kapitalistischen Gesellschaft.
Diese Illusion ist mit beispielloser Geschwindigkeit zerfallen. Tech-Beschäftigte werden massenhaft entlassen, durch kleinere, mit KI-Systemen verstärkte Teams ersetzt und einer immer strengeren Arbeitsdisziplin unterworfen. Sie entdecken, dass sie Verkäufer von Arbeitskraft sind, deren Schicksal untrennbar mit dem der Arbeiterklasse als Ganzes verbunden ist.
Die Verteidigung von Arbeitsplätzen erfordert daher einen Bruch mit den bestehenden Strukturen. Sie erfordert die Mobilisierung der Arbeiterklasse auf der Grundlage ihrer eigenen unabhängigen Interessen, im Widerstand gegen Ungleichheit, Oligarchie und kapitalistische Ausbeutung.
Dies wiederum macht neue Organisationsformen notwendig, darunter Aktionskomitees, durch die sich die Arbeiter außerhalb der Kontrolle der etablierten Apparate organisieren können. Die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) steht an der Spitze der Entwicklung dieser Organisationen, um die Arbeiter in einem gemeinsamen Kampf zu vereinen.
In den Betrieben, die gewerkschaftlich organisiert sind, hat die Gewerkschaftsbürokratie jahrzehntelang im Namen der „Wettbewerbsfähigkeit“ mit der Unternehmensleitung zusammengearbeitet – ein Prozess, der nun seinen logischen Schluss findet. Unter Bedingungen, unter denen die herrschende Klasse versucht, weite Teile der Arbeiterschaft dauerhaft zu verdrängen, ist die alte Parole „ein gerechter Lohn für gerechte Arbeit“, die das kapitalistische Eigentum unangefochten ließ, selbst unhaltbar geworden.
Gleichzeitig müssen die Arbeiter jede politische Unterordnung unter die Demokratische Partei ablehnen. Als Partei der Wall Street hat sie auf die Krise mit gelegentlicher liberaler Rhetorik reagiert, sich aber geweigert, ernsthaft gegen die autoritäre Politik der Trump-Regierung vorzugehen. In verschiedenen Foren hat Bernie Sanders Vorschläge zur Regulierung der KI vorgebracht – wie beispielsweise eine 32-Stunden-Woche, Gewinnbeteiligungsmodelle und Arbeitnehmervertretung in Unternehmensvorständen –, doch diese laufen auf Forderungen nach Selbstregulierung durch die Unternehmen selbst hinaus. Insbesondere beim letzten Vorschlag führt Sanders Deutschland als Vorbild an, doch dies hat lediglich als Mechanismus gedient, durch den deutsche Gewerkschaftsfunktionäre im Namen der „Sozialpartnerschaft“ bei der Durchsetzung von Entlassungen und der Unterdrückung von Streiks mitwirken.
Die herrschende Klasse hofft, mithilfe von KI neue Quellen für Mehrwert zu erschließen und ein Gesellschaftssystem zu stabilisieren, das unter untragbaren Schuldenlasten und zunehmender finanzieller Instabilität leidet. Die Massenarbeitslosigkeit, die sie durch KI zu schaffen hofft, ist zudem eine politische Waffe, die dazu dient, Arbeiter zu disziplinieren und Widerstand zu unterdrücken.
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
Der KI-Boom verschärft zudem globale Konflikte. Der Wettbewerb um Halbleiter, seltene Erden, Energie und Lieferketten verschärft geopolitische Spannungen, während die Militarisierung vorangetrieben wird, um strategische Vorteile zu sichern. Krieg dient aus Sicht der herrschenden Klasse nicht nur der Eroberung von Märkten und Ressourcen, sondern auch der Vernichtung von akkumuliertem Kapital, das nicht mehr gewinnbringend eingesetzt werden kann.
Der Kapitalismus, nicht die technologische Entwicklung, ist die Ursache für Massenentlassungen. Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, große Mengen repetitiver Arbeit zu automatisieren, die Produktivität zu steigern und die materiellen Grundlagen für eine drastische Reduzierung des Arbeitsaufwands zu schaffen, der zur Aufrechterhaltung der Gesellschaft erforderlich ist. Das Problem ist, dass unter dem Kapitalismus jeder Fortschritt in der arbeitssparenden Technologie benutzt wird, um die Ausbeutung zu intensivieren und Arbeitsplätze zu vernichten.
Solange sie in privater Hand bleibt, wird sie dazu genutzt werden, die Finanzoligarchie auf Kosten der Gesellschaft als Ganzes zu bereichern.
Dies macht ein Programm erforderlich, das auf der Enteignung der großen Technologiekonzerne und ihrer Umwandlung in öffentliche Versorgungsbetriebe unter der demokratischen Kontrolle der Arbeiterklasse basiert. Dasselbe muss für die Banken, Investmentfonds und andere Finanzinstitute gelten, die den Kapitalfluss in diese Branchen lenken.
Auf dieser Grundlage müssen die Arbeiter für konkrete Forderungen kämpfen: keine Entlassungen; garantierte Beschäftigung; eine kürzere Arbeitswoche ohne Lohnverlust; Arbeiterkontrolle über die Einführung neuer Technologien; und die Nutzung von Produktivitätsgewinnen zum Ausbau von Gesundheitsversorgung, Bildung, Wohnraum und öffentlicher Infrastruktur. Der Bau von Rechenzentren und der dazugehörigen Infrastruktur muss auf der Grundlage einer rationalen, demokratischen Planung erfolgen und nicht im anarchischen Streben nach Profit.
Die Beschäftigten in der Tech-Branche müssen sich mit der gesamten Arbeiterklasse verbünden. Ihr Kampf ist kein isolierter Kampf, sondern Teil eines gemeinsamen Kampfes gegen ein System, das alle Aspekte des gesellschaftlichen Lebens dem privaten Profit unterordnet. Der Kampf gegen Entlassungen ist letztendlich ein Kampf gegen den Kapitalismus selbst.
Das Thema der Online-Maikundgebung des Internationalen Komitees der Vierten Internationale – die internationale Vereinigung der Arbeiter im Kampf gegen den Kapitalismus, imperialistischen Krieg und den weltweiten Angriff auf demokratische Rechte – findet in dieser sich entwickelnden Bewegung direkten Ausdruck. Der Kampf für die Arbeiterkontrolle über die Technologie ist ein zentraler Bestandteil dieses Kampfes.
