Am Freitag wurde Elon Musk zum weltweit ersten Billlionär. Ein Konsortium von Investmentbanken legte den Ausgabepreis für SpaceX an der Nasdaq am Donnerstagabend auf 135 Dollar pro Aktie fest. Bei Handelsbeginn am Freitag sprang die Aktie auf 150 Dollar, kletterte im Tagesverlauf um bis zu 30 Prozent und schloss mit einem Plus von rund 19 Prozent bei 161 Dollar, wodurch sich die Marktkapitalisierung des Unternehmens auf rund 2,1 Billionen Dollar erhöhte.
Basierend auf der Aktienbewertung zum Börsenschluss am Freitag beläuft sich Musks persönliches Vermögen auf rund 1,1 Billionen Dollar. Vor dem Börsengang lag es bei etwa 810 Milliarden Dollar. Die Kursfestlegung und das Börsendebüt ließen es innerhalb von zwei Tagen um mehr als 300 Milliarden Dollar anwachsen, davon allein am Donnerstag um rund 188 Milliarden Dollar – der größte jemals verzeichnete Vermögenszuwachs, der aus dem Nichts gezaubert wurde.
Die Mainstream-Medien begrüßten das Ereignis mit Euphorie und berichteten über die Feierlichkeiten der Oligarchie in Tönen atemloser Bewunderung. Über dem Nasdaq-Bildschirm am Times Square, wo sich SpaceX-Mitarbeiter in Astronautenkostümen versammelt hatten, wurde die Silvesterkugel – umgestaltet als rot-orangefarbener Mars – gehoben, um die Schlussglocke einzuläuten. Am Abend veranstaltete JPMorgan Chase, eine der federführenden Konsortialbanken, im Park-Avenue-Tower eine Gala, welche die New York Times wiederum als „intergalaktisch“ bezeichnete.
Die Bewertung von SpaceX in Höhe von 2,1 Billionen Dollar steht in keinem Verhältnis zu einem tatsächlichen Produktionsprozess. SpaceX verlor im Jahr 2025 4,9 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 18,7 Milliarden Dollar. SpaceX wird mit dem etwa 95-fachen seines Jahresumsatzes bewertet, während ein durchschnittliches Unternehmen im S&P 500 zu weniger als dem Vierfachen des Jahresumsatzes gehandelt wird – und auch hier ist die Blase von historischem Ausmaß nicht zu übersehen.
Im Vergleich dazu erzielte General Motors im Jahr 2025 einen Umsatz von 187 Milliarden Dollar, das Zehnfache des Umsatzes von SpaceX, und hat eine Marktbewertung von rund 70 Milliarden Dollar. Würde GM nach dem Kurs von SpaceX bewertet, wäre es 17,7 Billionen Dollar wert – mehr als die Hälfte des gesamten jährlichen Bruttoinlandsprodukts der Vereinigten Staaten – und eine einzelne Aktie, die derzeit bei etwa 82 Dollar liegt, würde rund 21.000 Dollar kosten. Walmart wäre 65 Billionen US-Dollar wert, mehr als das Doppelte des US-BIP; ExxonMobil 32 Billionen US-Dollar.
In seinem eigenen Prospekt begründet SpaceX die Bewertung mit seiner Monopolstellung, die das Unternehmen wiederholt als „vertikale Integration“ bezeichnet. Das Unternehmen rühmt sich damit, seit 2023 jährlich mehr als 80 Prozent der gesamten Masse in den Orbit zu befördern, sein Starlink-Netzwerk hat die Satellitenkommunikation fest im Griff, und es positioniert sich, um die nächste Grenze zu erobern: den Einsatz künstlicher Intelligenz im Orbit. Wall Street setzt darauf, dass SpaceX die Start-, Kommunikations- und Recheninfrastruktur monopolisieren wird und dass die vom Unternehmen versprochene KI-Revolution es dem Kapital ermöglichen wird, die Ausbeutung der Arbeiterklasse enorm zu intensivieren.
Doch ein Monopol an sich, so real SpaceX’s Macht auch sein mag, schafft keinen Wert; es kann nur einen größeren Anteil des an anderer Stelle aus der Arbeit herausgepressten Mehrwerts einfangen. Keine Vorherrschaft über Raketen und Satelliten bringt einen Gewinnstrom in Höhe von 2,1 Billionen Dollar hervor.
SpaceX ist keine Ausnahmeerscheinung, sondern der extremste Ausdruck eines umfassenderen Prozesses. Die gesamte Marktkapitalisierung der US-Aktienmärkte liegt derzeit bei etwa 232 Prozent des BIP – die amerikanischen Märkte sind mehr als doppelt so viel wert wie alles, was das Land in einem Jahr produziert. Das ist ein Niveau, das sogar den Höhepunkt der Dotcom-Blase übertrifft.
Sieben Unternehmen machen mehr als ein Drittel des gesamten S&P 500 aus. Allein der Technologieriese Nvidia wird mit über 5 Billionen Dollar bewertet, mehr als die Jahresproduktion jedes Landes der Erde außer den Vereinigten Staaten und China.
Der endlose Anstieg der Aktienkurse ist das bewusste Ergebnis staatlicher Politik. Die Federal Reserve hat im letzten Vierteljahrhundert unter Demokraten wie Republikanern durch eine Rettungsaktion nach der anderen Billionen Dollar in die Wall Street gepumpt und damit die Vermögenspreise in die Stratosphäre getrieben, während die Löhne stagnierten und die Sozialausgaben gekürzt wurden. Die Oligarchie weiß, dass im Falle eines erneuten Crashs eine weitere massive Rettungsaktion garantiert ist und dass die Rechnung der Arbeiterklasse präsentiert wird.
Der direkteste Nutznießer dieser Spekulationswelle ist Musk, doch es geht um mehr als nur den extremen Reichtum eines einzelnen Mannes.
Peter Thiels Founders Fund, der 2008, als SpaceX kurz vor dem Bankrott stand, 20 Millionen Dollar in das Unternehmen investierte, erzielt damit einen Buchgewinn von über 60 Milliarden Dollar – angeblich die größte Einzelrendite in der Geschichte von Risikokapitalinvestitionen. Antonio Gracias, SpaceX-Direktor und Gründer von Valor Equity Partners, hält Anteile im Wert von bis zu 65 Milliarden Dollar. Googles Beteiligung hat einen Wert in der Größenordnung von 100 Milliarden Dollar. Sequoia Capital, Andreessen Horowitz, die Hedgefonds D1 und Coatue, Cathie Woods Ark, der Investmentfonds-Gigant Fidelity – sie alle erhalten ihren Anteil.
Musks Billion ist nur die Spitze eines weitaus umfassenderen Vermögenszuwachses. Die Vereinigten Staaten haben mittlerweile 935 Milliardäre, mehr als die nächsten neun Länder zusammen. Allein im ersten Jahr von Trumps zweiter Amtszeit wuchs ihr Vermögen um rund 1,5 Billionen Dollar; die vierzehn Reichsten sind heute mehr wert als alle amerikanischen Milliardäre zusammen noch im Jahr 2020. Hinter Musk stehen Jeff Bezos mit rund 260 Milliarden Dollar, Larry Ellison mit 237 Milliarden Dollar, die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin mit jeweils fast 300 Milliarden Dollar sowie Mark Zuckerberg mit weit über 200 Milliarden Dollar. Am anderen Ende der Skala besitzt die untere Hälfte der amerikanischen Haushalte kaum 2,5 Prozent des nationalen Vermögens.
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
Diese Oligarchie hat ihr Vermögen auf Spekulation und Parasitismus aufgebaut und sie betreibt eine Außenpolitik der Kriminalität und des Gangstertums. Während SpaceX diese Woche an der Nasdaq an die Börse ging, fielen US-Bomben auf den Iran. Trump, der zuvor gedroht hatte, dass „eine ganze Zivilisation sterben wird“, hat nun vorgeschlagen, die Ölfelder und Raffinerien des Landes zu beschlagnahmen. Außerdem stellt er den Einsatz von Atomwaffen in Aussicht. Mehr als drei Jahrzehnte endloser amerikanischer Kriege gehen in die Anfangsphase eines globalen Krieges über.
SpaceX selbst ist durch Verträge in Milliardenhöhe an das Pentagon und die Geheimdienste gebunden. Seine Starlink-Konstellation ist bereits in die Kommunikation aktiver Kriegsgebiete eingebunden, von der Ukraine bis zum Nahen Osten. Die Orbitalinfrastruktur, deren Marktwert derzeit bei 2,1 Billionen Dollar liegt, ist zu einem wesentlichen Teil ein Instrument des amerikanischen Krieges.
Im Inland hat die Oligarchie ihren wahren Vertreter im Trump-Regime: eine Regierung aus Gangstern und Betrügern, die Recht, Gerichte und Verfassungen offen missachtet. Musk selbst hat die letzten achtzehn Monate damit verbracht, weltweit die extreme Rechte zu finanzieren: Er hat Deutschlands AfD unterstützt, den britischen Faschisten Tommy Robinson gefördert, im Namen der Bolsonaristen Krieg gegen Brasiliens Gerichte geführt und die antisemitische Verschwörungstheorie vom „Großen Austausch“ vor 200 Millionen Followern auf X verbreitet – der Plattform, die er gekauft hat, um sie in einen Zufluchtsort für die extreme Rechte zu verwandeln.
Jeder Dollar, der an Musk und seine Oligarchen-Kollegen gezahlt wird, richtet sich gegen die Arbeiterklasse, die einem brutalen Angriff auf ihre Lebensbedingungen ausgesetzt ist – Lohnkürzungen und Massenentlassungen, Abbau des Gesundheitswesens, der Renten und der öffentlichen Bildung, Zerstörung jedes sozialen Schutzes, der zwischen dem Profit und der Arbeit steht, die ihn erwirtschaftet.
Doch dieser Angriff stößt auf wachsenden Widerstand. Derselbe Prozess, der eine Oligarchie von beispiellosem Reichtum hervorgebracht hat, treibt die Arbeiterklasse in den Kampf. Zukünftige Historiker werden die sozialen Explosionen, die mit Musks Orgie des Reichtums zusammenfallen, nicht als überraschend empfinden. Sie werden sie als unvermeidlich ansehen.
Der Kampf gegen die Oligarchie muss über die Entwicklung des Klassenkampfs geführt werden, bewaffnet mit einem sozialistischen und revolutionären Programm. Von Bernie Sanders, der die Oligarchen immer wieder anfleht, „ihren gerechten Anteil zu zahlen“, über Lulas vorgeschlagene „Milliardärssteuer“ von zwei Cent pro Dollar bis hin zum New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani, der am Freitag Musks neues Vermögen mit der Forderung nach einer „Besteuerung der Reichen“ begrüßte – sie alle schlagen nur kosmetische Änderungen vor, geringfügige Reformen, von denen sie wissen, dass sie niemals umgesetzt werden.
Das Problem ist die Oligarchie selbst und ihr Würgegriff über das Wirtschaftsleben. Die Banken und Großkonzerne und mit ihnen die immensen Produktivkräfte, die die Arbeiterklasse geschaffen hat, müssen enteignet, in öffentliches Eigentum überführt und unter die demokratische Kontrolle der Arbeiterklasse gestellt werden. Anstelle des Profits einer Handvoll Parasiten muss es darum gehen, die Bedürfnisse der Menschheit zu befriedigen. Dies ist die einzig vernünftige Antwort auf eine Gesellschaftsordnung, die für einige wenige Billionen anhäuft, während sie Milliarden in die Armut treibt und die Welt in Diktatur und Krieg stürzt. Der Börsengang von SpaceX ist ein Plädoyer für den Sozialismus.
