Die schlimmste Hitzewelle, die Europa je erlebt hat, fegt über den Kontinent und bricht in einem Land nach dem anderen Temperaturrekorde. Bis zu 18 Grad Celsius liegen die aktuellen Temperaturen über dem saisonalen Durchschnitt.
Hunderte Millionen Arbeiter schuften in der Hitze bei 40 Grad Celsius, während die Superreichen in klimatisierten Häusern, privaten Lounges, Luxusautos, Flugzeugen und Büros ein Leben in Saus und Braus führen. Ihre Bankguthaben steigen parallel zu den globalen Temperaturen und die Zahl der Todesfälle durch extreme Hitze an.
Über 1.300 zusätzliche Todesfälle werden bereits der Hitze zugeschrieben, vor allem bei älteren Menschen und Kleinkindern. Ausgehend von früheren Hitzewellen in den Jahren 2022 und 2024 wird die endgültige Zahl der Todesopfer im hohen fünfstelligen Bereich liegen, wenn nicht sogar noch höher.
Diese Wetterereignisse mit zahlreichen Opfern sind das Ergebnis des durch den Kapitalismus getriebenen Klimawandels und einer kriminellen Nachlässigkeit vonseiten der Regierungen. Jahrzehnte, nachdem vor der globalen Erwärmung gewarnt und nominelle Ziele festgelegt wurden, gehen die CO₂-Emissionen weiter. Es wurde im Wesentlichen nichts unternommen, um die Gesellschaft auf die Folgen vorzubereiten.
Dem Wissenschaftskonsortium „World Weather Attribution“ zufolge wären die in der letzten Juniwoche gemessenen Temperaturen vor 50 Jahren praktisch unmöglich gewesen. Selbst im Jahr 2003 wären entsprechende Tageshöchsttemperaturen zehnmal unwahrscheinlicher gewesen, die nächtlichen Höchstwerte sogar hundertmal unwahrscheinlicher. Weltweit hat sich die Häufigkeit schwerer Hitzewellen seit den 1980er Jahren versiebenfacht.
Die soziale Infrastruktur ist weiterhin völlig unvorbereitet. Stromerzeugungsanlagen, darunter auch Kernkraftwerke, wurden auf dem gesamten Kontinent vom Netz genommen, und der Verkehr ist zum Erliegen gekommen – ein Abschnitt der deutschen Autobahn ist buchstäblich aus allen Nähten geplatzt. In allen Großstädten überhitzen sich Wohngebäude, öffentliche Einrichtungen und gerade auch Krankenhäuser. Tausende von Schulen haben geschlossen oder ihren Unterricht verkürzt.
In der Landwirtschaft kamen in Frankreich über 200.000 Stück Geflügel durch die Hitze ums Leben – ein Beispiel für die Belastung, der das Vieh ausgesetzt ist. Die Auswirkungen ausgetrockneter Böden auf die Ernten und die zunehmende Gefahr von Waldbränden verschärfen das Problem zusätzlich. Italiens längster Fluss, der Po, ist fast vollständig ausgetrocknet, wodurch Meerwasser 18 km ins Landesinnere vordringen konnte.
Laut der Energy and Climate Intelligence Unit steigen die Preise für Lebensmittel, die im von Extremwetter betroffenen Großbritannien verkauft werden, mehr als doppelt so schnell wie die durchschnittliche Inflationsrate bei Lebensmitteln und machen 30 bis 50 Prozent der Inflationsrate der letzten zwei Jahre aus. Eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung aus dem Jahr 2024 warnt davor, dass eine anhaltende globale Erwärmung die Lebensmittelinflation bis 2035 um 30 bis 50 Prozent verstärken wird.
In dieser durch den Klimawandel geschaffenen „neuen Normalität“ wird jedes Jahr Wochen unerträglicher Hitze mit sich bringen, verbunden mit der Gefahr, dass Menschen bei der Arbeit zusammenbrechen und dass insbesondere Ältere und Kleinkinder durch die Hitze sterben. Die Möglichkeit zu reisen, zu lernen und medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen, wird deutlich beeinträchtigt. Die Energiekosten schnelle in die Höhe, da die Stromproduktion gedrosselt wird und gleichzeitig die Nachfrage auch durch Klimageräte steigt. Die Lebensmittelpreise werden weiter steigen.
Finanziell gemessen steigen die kumulierten Kosten für den Kontinent nach Schätzungen des Versicherungskonzerns Allianz bis 2030 auf über 600 Milliarden US-Dollar, wobei Frankreich, Spanien und Italien am stärksten betroffen sind. Frühere, weniger schwere Hitzewellen kosteten den Kontinent bereits bis zu 0,5 Prozent des BIP, im Süden sogar bis zu 1 Prozent.
Diese Verluste – und weitere kommen durch Dürren, Überschwemmungen und Stürme hinzu – werden von der Arbeiterklasse getragen durch Lohnkürzungen, Arbeitslosigkeit und Einschnitte bei den öffentlichen Dienstleistungen.
Jeder bewohnte Kontinent auf der Erde ist mit denselben Gefahren konfrontiert. Eine sich abzeichnende Hitzewelle in den USA droht bis zum 4. Juli mit Temperaturen von 40 Grad Celsius in großen US-Städten und wird mit denselben schockierenden Schlagzeilen und derselben offiziellen Gleichgültigkeit aufgenommen.
Die Auswirkungen auf die beiden reichsten Kontinente der Welt, auf denen kaum 15 Prozent der Weltbevölkerung leben, unterstreichen nur die weitaus schlimmere soziale Katastrophe, der der Großteil der Arbeiterklasse in Asien und Afrika ausgesetzt ist.
Eine Studie der Universität Oxford weist auf verheerende Folgen für die Nahrungsmittelproduktion hin. Dabei gehen die Wissenschaftler davon aus, dass sich die Zahl der Menschen, die unter extremer Hitze leiden, bis 2050 von 1,54 Milliarden auf 3,79 Milliarden verdoppeln wird. Eine separate Studie des Climate Impact Lab berichtet, dass 90 Prozent der Todesfälle infolge dieser steigenden Temperaturen in ärmeren Ländern Nordafrikas, des Nahen Ostens und Südwestasiens zu verzeichnen sind.
All diesen Ereignissen werfen die Arbeiterklasse unmittelbar in den Kampf um Schutz von Leben und Gesundheit sowie um Zugang zu grundlegenden sozialen Dienstleistungen. Die Arbeit bei extremer Hitze muss ohne Einkommenseinbußen eingestellt werden. Es müssen Mittel für die Nachrüstung von Wohnungen, Betrieben, öffentlichen Einrichtungen und Büros bereitgestellt werden – mit Schwerpunkt auf Schulen, Krankenhäusern, Altenheimen und systemrelevanten Branchen – um diese kühl zu halten.
Überschwemmungen und Stürme erfordern spezifische Maßnahmen. All dies erfordert die organisierte Initiative der einfachen Arbeiter gegen die Gewerkschaftsapparate, die sie unter unerträglichen Bedingungen zur Arbeit zwingen.
Die herrschende Klasse wird sich diesen Bemühungen mit aller Kraft widersetzen. In jedem Land pressen die Konzerne ihren Beschäftigten jeden Cent aus der Tasche, um im Wettbewerb mithalten zu können. Die Regierungen lenken alle ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen in die Aufrüstung. Die Militärausgaben des letzten Jahres entsprachen in etwa der Lücke zwischen dem derzeitigen Niveau der Klimafinanzierung und der niedrigsten Schätzung dessen, was erforderlich ist, um bis 2050 keinen weiteren Anstieg der Temperaturen zu erreichen.
Diese Fakten machen deutlich, was für ein gewaltiger, revolutionärer und sozialistischer Kampf notwendig ist, um den Folgen des Klimawandels nicht länger hinterherzuhinken, sondern dessen Ursache offensiv anzugehen – und das ist die private Produktion für Profit.
Hitzewellen sind keine reine Naturkatastrophen, welche die Gesellschaft treffen. Die unglaubliche Entwicklung der menschlichen Produktivkräfte hat dazu geführt, dass wir das Klima des Planeten beeinflussen. Dies führt zunehmend zur Verschlechterung der Umweltbedingungen für die Mehrheit der Menschheit – ein Spiegel dessen, dass die Kontrolle über diese Auswirkungen bei einer letztlich winzigen kapitalistischen Klasse liegt und diese ihre Macht im Sinne ihrer eigenen destruktiven sozialen Interessen nutzt.
Die Klimakatastrophe ist, ebenso wie Krieg und globale Wirtschaftskrise, ein krönender Beweis für die marxistische Kritik am Kapitalismus und die Forderung nach einer sozialen Revolution. Das Problem wurde vor über 140 Jahren von Karl Marx’ Mitstreiter Friedrich Engels in der Dialektik der Natur brillant analysiert,
dass unsere ganze Herrschaft über sie [die Natur] darin besteht, im Vorzug vor allen andern Geschöpfen ihre Gesetze erkennen und richtig anwenden zu können. Und in der Tat lernen wir mit jedem Tag ihre Gesetze richtiger verstehn und die näheren und entfernteren Nachwirkungen unsrer Eingriffe in dem herkömmlichen Gang der Natur erkennen. […]
Um diese Regelung aber durchzuführen, dazu gehört mehr als die bloße Erkenntnis. Dazu gehört eine vollständige Umwälzung unsrer bisherigen Produktionsweise und mit ihr unsrer jetzigen gesamten gesellschaftlichen Ordnung.
(Friedrich Engels, „Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“, in: Dialektik der Natur, Dietz Verlag Berlin 1973, S. 174-175)
Wie Engels erklärt, sind die Kapitalisten, die „um des unmittelbaren Profits willen produzieren und tauschen“, strukturell unfähig, über den „ersten, greifbaren Erfolg“ hinauszublicken. Für sie ist „der einzige Anreiz der beim Verkauf zu erzielende Gewinn“. Und dieser Gewinn ist enorm: Allein in den USA belief sich der Nettogewinn der an der Börse notierten Öl- und Gasunternehmen im Jahr 2022 auf 916 Milliarden Dollar, wovon 84 Prozent an das reichste Zehntel der Bevölkerung und die Hälfte an das reichste 1 Prozent flossen.
Der Versuch, die Klimakrise anzugehen, indem man Appelle an Regierungen richtet, diese Oligarchie zu regulieren, oder direkt an die Vorstandsetagen selbst – wie es die Grünen und umweltpolitische Bewegungen tun – gleicht einem Gespräch über Vegetarismus mit einem Rudel hungriger Wölfe.
Die Gewinne des auf fossilen Brennstoffen basierenden Kapitalismus schirmen die Superreichen nicht nur vor den Auswirkungen des Klimawandels ab, sondern machen sie auch gleichgültig gegenüber den demokratischen Anliegen der Betroffenen. Der herrschenden Klasse drohen bei einem Übergang zu einer klimaneutralen Gesellschaft Verluste zwischen 1,4 und 2,4 Billionen US-Dollar durch gestrandete fossile Vermögenswerte und Investitionen. Wenn man Zeit und Ressourcen vergleicht, welche die europäischen Regierungen für die verschiedenen Zwecke aufwenden, ist klar ersichtlich, dass sie lieber einen Krieg mit dem atomar bewaffneten Russland riskieren, als diese Vermögenswerte zugunsten eines Wandels in der Energiepolitik aufzugeben.
Wer das menschliche Leben auf der Erde schützen will, muss diesen Brandstiftern die Macht entreißen: Die Oligarchie muss enteignet und kapitalistische Regierungen im Rahmen einer weltweiten sozialistischen Revolution gestürzt werden.
Die internationale Arbeiterklasse – die überwältigende Mehrheit der Weltbevölkerung, objektiv vereint durch die globale Produktion – ist die einzige Kraft, die der gegenwärtgen Entwicklung etwas Grundsätzliches entgegensetzen kann. Allein sie kann dem Profitstreben der Bourgeoisie und dem anarchischen Wettbewerb um die Kontrolle über die Weltmärkte und Ressourcen ein Ende setzen – und sie muss dies tun, da Klimakatastrophe und Atomkrieg mit Zerstörung der Menschheit und des Planeten selbst drohen.
Nur eine von der Arbeiterklasse errichtete sozialistische Gesellschaft kann mit der demokratischen Planung der Produktion auf globaler Ebene beginnen, die notwendig ist, um die von Marx in Das Kapital vorgestellte „höhere ökonomischen Gesellschaftsformation“ in der Zukunft zu schaffen, in der:
das Privateigentum einzelner Individuen am Erdball ganz so abgeschmackt erscheinen [wird] wie das Privateigentum eines Menschen an einem andern Menschen. Selbst eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesellschaften zusammengenommen, sind nicht Eigentümer der Erde. Sie sind nur ihre Besitzer, ihre Nutznießer, und haben sie als boni patres familias [gute Eltern bzw. Treuhänder] den nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlassen. (Karl Marx, Das Kapital, Dritter Band, 46. Kapitel, Dietz Verlag Berlin 1973, S. 784)
