Diese Rede hielt Tom Peters, ein führendes Mitglied der Socialist Equality Group in Neuseeland, bei der Online-Kundgebung zum 1. Mai 2026, die von der WSWS und dem Internationalen Komitee der Vierten Internationale organisiert wurde.
Die Socialist Equality Group richtet revolutionäre Grüße an alle Teilnehmer dieser Kundgebung aus dem gesamten pazifischen Raum. Der illegale Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat diese ganze Region in eine Wirtschaftskrise gestürzt.
Viele pazifische Länder sind geografisch abgeschnitten und verarmt; zur Stromerzeugung sind sie fast vollständig auf Diesel angewiesen. In Papua-Neuguinea, wo über die Hälfte der Bevölkerung in Armut lebt, sind die Dieselpreise um bis zu 70 Prozent angestiegen.
Die imperialistischen Mächte rechnen mit einem Wiederaufflammen der Unruhen in der Bevölkerung. Tausende französische Bereitschaftspolizisten besetzen weiterhin Neukaledonien, zwei Jahre nachdem sie einen Massenaufstand gegen soziale Ungleichheit und Kolonialherrschaft gewaltsam niedergeschlagen haben.
Der Pazifikraum wird militarisiert und in die weit fortgeschrittenen Pläne für einen Krieg gegen China hineingezogen.
Neuseeland – eine imperialistische Macht, die mit den USA verbündet ist – hat seinen kolonialen Griff um die Cookinseln verstärkt: Es hat ein Abkommen durchgesetzt, das dem neuseeländischen Militär ungehinderten Zugang zum Archipel gewährt und dessen Möglichkeiten einschränkt, Handelsabkommen mit China zu schließen.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts schickte die neuseeländische herrschende Klasse Zehntausende junger Menschen in zwei Weltkriege, um dort zu kämpfen und zu sterben. Neuseeland wollte sich auf diesem Weg britische und amerikanische Unterstützung für die eigenen imperialistischen Unternehmungen im Pazifik sichern.
Nun erleben wir bereits, dass der Dritte Weltkrieg rasch eskaliert. Die von der National Party geführte Regierung ist entschlossen, bei der gewaltsamen Neuaufteilung der Märkte und Ressourcen nicht außen vor zu bleiben.
Premierminister Christopher Luxon und Außenminister Winston Peters haben den nicht-provozierten Angriff der USA und Israels auf den Iran befürwortet und erklärt, dies diene der Verteidigung des „internationalen Friedens und der Sicherheit“. Als Minister Peters im April Washington besuchte, äußerte er kein einziges kritisches Wort gegen Donald Trumps genozidale Drohungen, den Iran „zurück in die Steinzeit“ zu bombardieren und seine Zivilisation zu zerstören.
Für die Arbeiterklasse in Neuseeland verschärft der Krieg eine tiefgreifende soziale Krise. Die jährliche Inflationsrate wird voraussichtlich bis Mitte des Jahres von 3,1 auf fast 5 Prozent steigen. Die Lebensmittelpreise sind bereits innerhalb nur eines Jahres um fast 5 Prozent und die Strompreise um 12 Prozent gestiegen.
Die Reallöhne sinken, während Massenentlassungen die Gesamtquote von Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung auf über 10 Prozent getrieben haben.
Eine halbe Million Menschen – jeder Zehnte – ist auf Lebensmitteltafeln angewiesen, jedes fünfte Kind lebt in Armut und 100.000 Menschen sind faktisch obdachlos.
Der stellvertretende Premierminister David Seymour, Vorsitzender der rechten ACT-Partei, hat die Krise mit der Behauptung abgetan, dass arme und obdachlose Menschen „im Vergleich zu den meisten Orten und Zeiten in der Geschichte wie Könige und Königinnen leben“.
Die herrschende Klasse versucht, öffentliche Dienstleistungen und den Lebensstandard der Arbeiter zu zerstören, um mehr Geld für die Konzernprofite abzuzweigen und das Militär auszubauen. Die Regierung hat zugesagt, die Militärausgaben zu verdoppeln – mit Unterstützung der oppositionellen Labour-Partei und der Public Service Association (PSA), der größten Gewerkschaft Neuseelands.
Die Arbeiterklasse versucht, sich zu wehren. Im vergangenen Oktober führten über 100.000 Lehrkräfte und Beschäftigte im Gesundheitswesen einen eintägigen Streik durch – den größten in Neuseeland seit 1979.
Die Socialist Equality Group warnte jedoch, dass die Gewerkschaftsbürokratie, solange sie die Kontrolle behalte, mit dem Staat kooperieren werde, um diese Kämpfe zu isolieren und zu verraten. In den letzten Monaten haben die Gewerkschaften für Tausende von Arbeitern, die sich dem „Mega-Streik“ angeschlossen hatten, Lohnkürzungen abgesegnet.
Seit dem ersten Golfkrieg 1990–1991 führen die Vereinigten Staaten ununterbrochen Krieg. Gestützt auf ein marxistisches Verständnis der Widersprüche des US- und des Weltimperialismus analysiert David North die Militärinterventionen und geopolitischen Krisen der letzten 30 Jahre.
Um einen echten Kampf gegen Sparpolitik und Militarismus zu führen, müssen die Arbeiter Aktionskomitees aufbauen, die sie selbst kontrollieren. Sie müssen sich mit den Arbeitern in Australien und im gesamten Pazifikraum zu einer bewusst sozialistischen Bewegung zusammenschließen.
Der Aufbau einer solchen Bewegung erfordert einen politischen Kampf gegen alle pseudolinken Organisationen. Sie vertreten die obere Mittelschicht und zielen darauf ab, Arbeiter und Jugendliche der Labour-Partei und deren Verbündeten unterzuordnen, deren Programm sich kaum von demjenigen der Regierung unterscheidet.
Die Organisation Socialist Aotearoa hat Mitglieder der Labour-Partei, der Grünen und der Gewerkschaftsführung eingeladen, um auf ihren öffentlichen Versammlungen zu sprechen. Sie gibt sich zu Unrecht als kriegsfeindlich aus. Ihr Vorsitzender Joe Carolan hat erklärt: „Um diese rechte Regierung [bei den Wahlen im November] loszuwerden, werden wir die Labour-Partei brauchen.“
Socialist Aotearoa und die International Socialist Organisation unterstützten die Labour-Regierung unter Jacinda Ardern – eine Koalition, der auch die Grünen und die rechtsnationalistische NZ First angehörten. Ardern hat die Beziehungen zum US-Imperialismus verstärkt, unter anderem durch die Entsendung von Soldaten nach Großbritannien, um ukrainische Wehrpflichtige für den Krieg der USA und der NATO gegen Russland auszubilden. Und Ende 2023 befürwortete die Labour-Regierung Israels völkermörderischen Angriff auf den Gazastreifen.
Labour und die Grünen haben den Krieg gegen den Iran zwar als illegal bezeichnet, aber sie unterstützen das Bündnis Neuseelands mit Washington und dessen zentrales imperialistisches Ziel: die militärische Einkreisung Chinas und die Kriegstreiberei gegen dieses Land.
Wir rufen alle Arbeiter, Studierenden und Jugendlichen, die dieser Versammlung zuhören, dazu auf, mit diesen Parteien und ihren pseudolinken Apologeten zu brechen. Der einzige Weg, den Abstieg in Barbarei und Krieg zu stoppen, führt über den Kampf für die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse von allen kapitalistischen Strömungen. Die zentrale Aufgabe besteht darin, Sektionen des Internationalen Komitees der Vierten Internationale in Neuseeland und im gesamten Pazifikraum als revolutionäre Führung der Arbeiterklasse aufzubauen.
