Die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) fordert die sofortige Schließung aller nicht systemrelevanten Betriebe und Arbeitsstätten in den von giftigem Waldbrandrauch betroffenen Gebieten bei voller Bezahlung für alle betroffenen Arbeiter. Kein Arbeiter darf gezwungen werden, vergiftete Luft einzuatmen, nur damit die Konzerne weiter ihren Profit abschöpfen können.
Giftige Luft ist die Realität, mit der Millionen Menschen in den USA und Kanada derzeit konfrontiert sind. Waldbrände, die in ganz Kanada und im Norden von Minnesota wüten, haben Toronto, Minneapolis, Chicago, New York, Detroit und andere Städte in eine dicke Schicht aus Rauch und Asche gehüllt und damit zu einer der schwersten Luftverschmutzungen geführt, die jemals in einem Ballungszentrum gemessen wurde.
In weiten Teilen der Region ist der Luftqualitätsindex (AQI) über 500 gestiegen – den offiziellen Höchstwert der Skala. Der Messdienst IQAir verzeichnete für Detroit einen Gesamt-AQI von 698 – am Donnerstag der schlechteste Wert aller Großstädte weltweit. In Teilen des nördlichen Minnesota überschritten lokale Messwerte 900, und eine Messstation in Detroit erreichte 917. Bereits ein Wert von 300 gilt als „Gesundheitswarnung bei Notfallbedingungen.“
Dies geschieht inmitten einer durch den Klimawandel bedingten schweren Hitzewelle, bei der die Temperaturen in weiten Teilen der Region über 38 Grad steigen – eine Kombination, die apokalyptische Bedingungen für die zig Millionen Arbeiter schafft, die gezwungen sind, ohne Schutz vor Hitze und Rauch zu arbeiten. Michigan liegt im Zentrum der Katastrophe. Zugleich ist der Bundesstaat auch Ausgangspunkt eines Ausbruchs von Cyclosporiasis, einer durch verunreinigte Lebensmittel übertragenen Darminfektion, an der Tausende erkrankt sind – nur ein Beispiel unter vielen für den Zusammenbruch des öffentlichen Gesundheitswesens.
Eine Notfallwarnung, die am Donnerstag an Mobiltelefone im Großraum Detroit gesendet wurde, mahnte die Einwohner, „nach Möglichkeit im Haus zu bleiben, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie Aktivitäten und Anstrengungen im Freien zu beschränken.“ Doch Millionen von Arbeitern wurden trotzdem zur Arbeit geschickt – im Freien oder in Hallen ohne Filteranlage und ohne Schutz vor genau jener Luft, von der die Regierung allen riet, sie zu meiden.
Die Detroit Free Press berichtete am Donnerstag, dass Rauch und Hitze zwischen 31 und 38 Grad Celsius das Ford-Montagewerk in Wayne (Michigan) die ganze Nacht über und bis in den Morgen hinein erfüllten. Mehrere Dutzend Arbeiter am Fließband suchten die Krankenstation im Werk auf, und einige wurden auf Tragen mit dem Rettungswagen in Krankenhäuser gebracht, berichtete die Zeitung. Zwei Gewerkschaftsvertreter bestätigten mindestens zehn Krankentransporte. Ein Arbeiter sagte, es habe etwa ein Dutzend weitere Fälle im Ford-Lkw-Werk in Dearborn gegeben.
Ein Arbeiter im Jefferson-North-Montagewerk von Stellantis in Detroit beschrieb die Zustände am Donnerstagnachmittag gegenüber der World Socialist Web Site: „Schrecklich – brennende Augen, Abgase, trübe Sicht. Es ist ehrlich gesagt furchtbar.“ Ein anderer sagte, die Arbeiter hätten in der Nacht zuvor quer durch das Werk nichts sehen können; die Geschäftsleitung habe die Ladetore geschlossen, aber „es gibt keine Klimaanlage und keine Luftfilter“, um den bereits im Inneren befindlichen Rauch zu beseitigen. Bei Nexteer blieben am Mittwoch 188 Arbeiter der Arbeit fern, anstatt unter gefährlichen Bedingungen zu arbeiten.
Zwar sind Menschen mit Herz- und Lungenerkrankungen besonders gefährdet, doch die Bedingungen, denen nun Millionen ausgesetzt sind, werden für alle in den betroffenen Gebieten als „gefährlich“ eingestuft und bergen das Risiko chronischer Erkrankungen – Asthma, Diabetes sowie ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle und Herzerkrankungen.
Besonders tödlich sind die winzigen Partikel, die kleiner sind als 2,5 Mikrometer (das entspricht 2,5 Tausendstel Millimeter, auch bekannt als PM2,5). Denn sie sind klein genug, um die Abwehrmechanismen des Körpers zu umgehen, sich tief in der Lunge festzusetzen und in den Blutkreislauf zu gelangen, wo sie nicht nur Atemwegsbeschwerden, sondern auch Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen können. Offizielle AQI-Messwerte berücksichtigen zudem nicht die giftigen Partikel, die bei der Verbrennung von Kunststoffen und Metallen freigesetzt werden – eine wachsende Gefahr, da die Brände zunehmend auf bebaute Strukturen übergreifen.
Schlechte Luftqualität gehört zu den tödlichsten Gefahren auf der Erde. UNICEF schätzt, dass jedes Jahr mindestens 8,1 Millionen Menschen vorzeitig an den Folgen der Luftverschmutzung sterben – darunter mehr als 700.000 Kinder unter fünf Jahren –, verursacht durch Lungenentzündung, Asthma und niedriges Geburtsgewicht.
Praktisch jeder Teil der Arbeiterklasse ist von diesen tödlichen Bedingungen betroffen. Post- und UPS-Mitarbeiter wurden ohne Wasser, Klimaanlage oder jegliche Schutzvorrichtungen auf ihre Routen geschickt, obwohl Hitze und Rauch Gefahren sind, die sich gegenseitig verstärken. Bau- und Landarbeiter bleiben im Freien. Selbst Arbeiter in Innenräumen, darunter auch in Krankenhäusern, berichten, dass sie ohne Klimaanlage, Filteranlagen oder angemessene Schutzausrüstung arbeiten müssen.
Zwar haben die Regierungen Warnungen vor dem Rauch herausgegeben, doch wurde die gesamte Last auf den Einzelnen abgewälzt, der „Aktivitäten im Freien einschränken“ und „das Tragen einer Maske in Betracht ziehen“ soll. Es gab weder eine massenhafte Verteilung von N95-Masken, Corsi-Rosenthal-Boxen oder HEPA-Filtern, noch die Einrichtung von Schutzräumen mit sauberer Luft für Menschen mit geringem Einkommen und Obdachlose.
Diese lebensbedrohlichen Zustände sind das Ergebnis des Abbaus von Gesundheitsbehörden und -netzwerken durch kapitalistische Regierungen auf der ganzen Welt. Der Ausbruch der Corona-Pandemie wurde zum Signal, jede Institution zu zerstören, die dazu bestimmt war, die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern, Luft und Wasser zu regulieren und die menschliche Gesundheit zu schützen.
Dieser Prozess, der sowohl unter Demokraten als auch unter Republikanern vorangetrieben wurde, hat sich unter Trumps zweiter Amtszeit beschleunigt, in der die öffentlichen Gesundheitsbehörden pauschal ausgehöhlt wurden. Die Regierung hat die Umweltschutzbehörde (EPA) demontiert und jede noch so begrenzte Maßnahme gegen den Klimawandel rückgängig gemacht. Die schrecklichen Zustände, die derzeit Nordamerika heimsuchen, sind seit Wochen jedes Jahr im Sommer zur neuen Normalität geworden und werden sich in den kommenden Jahren noch verschlimmern.
Die Gewerkschaftsbürokratie hat keinen Finger gerührt, um die Gesundheit und das Leben der Arbeiter zu schützen. Während Arbeiter an den Fließbändern zusammenbrechen, sieht die UAW tatenlos zu. UAW-Präsident Shawn Fain hat einen Appell veröffentlicht, in dem er „die Arbeitgeber aufforderte, die Gesundheit und Sicherheit aller Arbeiter an erste Stelle zu setzen“, machte aber absolut keine Vorschläge, was zu tun sei.
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
Der eigene Tarifvertrag der Gewerkschaft offenbart, wessen Interessen der Apparat verteidigt. Gemäß der von der UAW ausgehandelten „Höhere-Gewalt“-Klausel erhalten die Arbeiter nur einen gekürzten Lohn, wenn ein Werk aufgrund einer Naturkatastrophe geschlossen wird – und ein Arbeiter, der den Arbeitsplatz verlässt, um seine eigenen Lungen zu retten, „könnte drei Tage unbezahlten Urlaub erhalten.“ Der Apparat, der das Recht wegverhandelt hat, ein gefährliches Werk zu verlassen, bietet nun „Informationen“ an und appelliert an die Geschäftsleitung, während Arbeiter auf Tragen aus dem Werk gebracht werden.
Diese Untätigkeit spiegelt die Reaktion der Gewerkschaften auf den Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2020 wider, als sie die Werke offen hielten, während sich ein tödlicher Erreger ausbreitete. Damals wie heute fungierten die Bürokratien nicht als Instrumente der Arbeiterklasse, sondern als Anhängsel der Unternehmensleitung, die die Arbeitsdisziplin durchsetzen. Die ersten Lockdowns im Jahr 2020 wurden nur durch spontane Aktionen der Arbeiter selbst erzwungen, vor allem in der Autoindustrie, wo sie die Produktion unabhängig von und gegen sowohl die Unternehmensleitung als auch den Gewerkschaftsapparat lahmlegten.
Die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees ruft die Arbeiter in den USA und Kanada dazu auf, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und durch die Bildung von Aktionskomitees die Produktion stillzulegen. Die Arbeiter sollten online Diskussionen und Versammlungen abhalten, um eine Führung aus der Basis zu wählen und sich auf ein gemeinsames Aktionsprogramm zu einigen. Die IWA-RFC schlägt vor, dass diese Komitees Folgendes fordern:
- Eine Einstellung der Produktion an jedem betroffenen, nicht systemrelevanten Arbeitsplatz, ohne Lohnausfall für die betroffenen Arbeiter, sowie die sofortige Bereitstellung von ordnungsgemäß angepassten N95- oder P100-Atemschutzmasken auf Kosten des Unternehmens für alle Arbeiter, die weiterhin arbeiten müssen.
- Ein Notfallprogramm zur Installation hochwertiger Luftfilteranlagen und Klimaanlagen in jedem Werk, Lager und an jedem Arbeitsplatz. Dass Autofabriken, die Milliardengewinne erwirtschaften, ohne funktionierende Belüftung oder Klimatisierung betrieben werden – wodurch die Arbeiter Rauch einatmen und bei 38 Grad Hitze schuften müssen –, ist eine Anklage gegen das gesamte Profitsystem.
- Eine unabhängige, von den Beschäftigten selbst durchgeführte Überwachung der Luftqualität an jedem Arbeitsplatz, deren Ergebnisse allen Beschäftigten in Echtzeit zugänglich gemacht werden, anstatt sie dem Ermessen der Unternehmensleitung, mitschuldigen Gewerkschaftsfunktionären oder ausgehöhlten Aufsichtsbehörden zu überlassen.
- Für die Kontrolle der Beschäftigten über Sicherheit und Gesundheit in den Fabriken! Solange solche Entscheidungen in den Händen der Unternehmensleitung liegen, werden die Beschäftigten weiterhin unsicheren Bedingungen sowie dem Risiko schwerer Arbeitsunfälle ausgesetzt sein.
Diese Forderungen lassen sich nicht durch Appelle an Unternehmensvorstände, Regierungsbehörden oder Gewerkschaftsfunktionäre durchsetzen, die bereits ihre Verachtung für das Leben der Arbeiter unter Beweis gestellt haben. Sie erfordern die unabhängige Organisation der Arbeiterklasse, die bereit ist, aus eigener Initiative gegen ein System vorzugehen, das die Gesundheit und das Leben der Arbeiter als bloße Betriebskosten betrachtet.
Der Kapitalismus, der auf konkurrierenden Nationalstaaten und privatem Profit basiert, ist unfähig, auf eine Krise zu reagieren, die alle Grenzen des Kontinents überschreitet. Der Rauch der Brände in Kanada und Minnesota kennt weder die Grenze zwischen Ontario und Michigan noch den Unterschied zwischen einem gewerkschaftlich organisierten Automobilwerk und einem gewerkschaftsfreien Lagerhaus.
Der Schutz menschlichen Lebens vor Waldbränden, Krankheiten und Klimakatastrophen erfordert eine Neuordnung des Wirtschaftslebens auf globaler Ebene, damit es den sozialen Bedürfnissen und nicht dem privaten Profit dient – das heißt: den Kampf für den Sozialismus.
Wir fordern alle Arbeiter, die die Notwendigkeit der Bildung von Aktionskomitees teilen, dazu auf, sich noch heute an die IWA-RFC zu wenden.
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