Iran-Krise vertieft sich – Demokraten werfen Trump vor „den Krieg verloren zu haben“

Angesichts der sich verschärfenden Krise im US-Krieg gegen den Iran haben führende Demokraten ihre Kritik an der Trump-Regierung von rechts verstärkt und ihr vorgeworfen, die Interessen des US-Imperialismus nicht gewahrt zu haben.

Der demokratische Senator Chris Murphy (Connecticut) erklärte am Sonntag in der NBC-Sendung Meet the Press: „Donald Trump hat diesen Krieg verloren. Amerika ist schwächer. Der Iran ist stärker.“

Senator Tim Kaine (Demokraten, Virginia), links, und Senator Chris Murphy (Demokraten, Connecticut) im Gespräch zu Beginn einer Anhörung des Außenpolitikausschusses des Senats im Kapitol, Washington, 18. Juni 2026 [AP Photo/J. Scott Applewhite]

Murphy machte US-Präsident Donald Trump für die schlechte Kriegsführung verantwortlich und erklärte: „Ich und meine Kollegen sind doch bereit, die Gelder zur Wiederauffüllung der Munitionsbestände zu bewilligen.“

Er warnte, der Krieg habe es „Russland und China ermöglicht, sich Dinge vorzustellen, die sie sich zuvor nicht hätten vorstellen können“.

Murphys Äußerungen glichen denjenigen des demokratischen Senators Gary Peters aus Michigan, der bei einer Anhörung des Senats am 21. Juli den Kriegsminister Pete Hegseth mit den Worten herausgefordert hatte: „Sie haben keinen langfristigen Plan, um diesen Krieg tatsächlich zu gewinnen. Gewinnen Sie den Krieg.“

Die Kritik der Republikaner folgt ähnlichen Mustern, allerdings treten sie noch direkter für eine militärische Eskalation gegen den Iran ein. Mark Esper, Verteidigungsminister in Trumps erster Amtszeit, erklärte in der ABC-Sendung This Week, die iranische Führung „glaubt, zu gewinnen“ und schlug eine Belagerung gegen ein Land mit 93 Millionen Einwohnern vor: eine Blockade „aller Zugänge über Luft-, Boden- und Seewege, um sie langsam zu erdrosseln, bis sie wieder ernsthaft an den Verhandlungstisch zurückkehren“.

Beide Parteien stehen uneingeschränkt hinter den Zielen des US-Imperialismus, den Nahen Osten zu beherrschen und den Krieg mit Russland in der Ukraine zu eskalieren. Am Freitag verabschiedete der Senat mit 86 zu 11 Stimmen den Lindsey O. Graham Sanctioning Russia and Iran Act, der Zölle von bis zu 100 Prozent gegen die größten Importeure von russischem Öl und Gas vorsieht – darunter China und Indien – und die Sanktionen gegen die iranische Energiebranche verschärft. Die Abstimmung verband den Krieg gegen den Iran und den Krieg gegen Russland in einem einzigen Gesetzentwurf.

Der „progressive“ Flügel der Demokraten schweigt weitgehend über den Iran-Krieg. Abdul El-Sayed, der am letzten Dienstag die die Vorwahlen der Demokraten für den Senat in Michigan gewonnen hatte, trat in der gleichen Sendung auf wie Murphy, erwähnte den Iran jedoch nicht. Er lobte den ehemaligen Präsidenten Barack Obama, der Israel bewaffnet und Libyen bombardiert hatte, und erklärte, dieser habe sein Amt „mit einer Klasse und Eleganz ausgeübt, nach der wir uns heute nur noch sehnen können“.

Auf die Frage, wie er sich gegen Militärhilfe für Israel aussprechen, sie aber für die Ukraine unterstützen könne, antwortete El-Sayed: „In der Ukraine geht es um Angriffe des Staatschefs eines souveränen Nachbarlands, der eindeutig gegen das Völkerrecht verstoßen hat, indem er versuchte, die Souveränität der ukrainischen Bevölkerung zu verletzen... Wenn wir also davon reden, gegen Putin und seinen Verstoß gegen das Völkerrecht vorzugehen, dann haben wir meiner Meinung nach die Verantwortung, das Völkerrecht zu verteidigen und daher die Ukraine in ihren Bemühungen zu unterstützen.“

Die New York Times veröffentlichte am Samstag einen Bericht über den Krieg mit dem Titel „Die USA verbrauchen im Iran in rasantem Tempo ihre Waffen – Russland und China werden aufmerksam“. Die Times schrieb, bei den Angriffen auf den Iran seien „Raketen verbraucht worden, die Tausende von Millionen Dollar kosten und Präzisionsbauteile enthalten, die ein globales Netzwerk von Lieferanten gestellt hat. Sie zu ersetzen, könnte Jahre dauern.“ Weiter hieß es unter Berufung auf Experten, die schwindenden Bestände an Luftabwehrraketen „könnten Russland und China zudem ermutigen, falls sie einen potenziellen Konflikt mit den Vereinigten Staaten in Erwägung ziehen“.

Der Krieg dauert seit sechs Monaten an, doch die iranische Regierung hat weder kapituliert, noch wurde sie gestürzt. Die Straße von Hormus bleibt geschlossen: Reuters berichtete am Freitag unter Berufung auf den Tracker-Dienst Kpler, von Montag bis Donnerstag hätten nur 33 Schiffe sie passiert, verglichen mit 130 bis 140 vor dem Krieg. Die Benzinpreise sind von durchschnittlich 3,15 Dollar pro Gallone vor einem Jahr auf 4,091 gestiegen, und die Zwischenwahlen finden in weniger als drei Monaten statt.

CNN berichtete am 4. August unter Berufung auf Quellen, die mit den jüngsten Inventurberichten des Pentagons vertraut sind, der Krieg habe fast 80 Prozent der THAAD-Abfangraketen und etwa die Hälfte der Patriot-Raketen des Militärs verbraucht. Am Freitag berichtete CNN, der Generalstabschef Dan Caine „sucht nach einem Ausweg“ und habe gegenüber Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio und CIA-Direktor John Ratcliffe eine langsame Beendigung des Kriegs ins Gespräch gebracht. Caines Sprecher wies den Bericht nicht zurück. Associated Press berichtete am Samstag, der stellvertretende Verteidigungsminister Steve Feinberg habe den Rüstungskonzernen eine Frist von nur 21 Tagen gesetzt, um Pläne für eine Beschleunigung ihrer Produktion vorzulegen.

Am Sonntag berichtete das Wall Street Journal, Trump habe wochenlang „die Grundlagen geschaffen, um einen Sieg im Iran-Krieg zu erklären, falls Teheran die Straße von Hormus öffnen sollte“. Bei internen Gesprächen soll er vor hochrangigen Beratern erklärt haben, er sei „bereit, die Sache ohne ein Atomabkommen zu beenden“.

Associated Press berichtete am Sonntag unter Berufung auf zwei mit den Gesprächen vertraute Personen, der Schiffsverkehr werde auf einer Route nahe der iranischen Küste in die Straße hinein und auf einer Route nahe der Küste Omans wieder hinaus führen – „in der Übergangszeit ohne Gebühren oder Zölle“. Doch der Sekretär des iranischen Nationalen Sicherheitsrats, Mohammad Bagher Zolghadr, erklärte am Samstag: „Die Straße von Hormus wird nicht wieder geöffnet, bis Amerika sein Verhalten ändert.“ Er forderte von Washington u.a. ein dauerhaftes Ende des Kriegs, die Aufhebung der Blockade und der Sanktionen sowie den Abzug der Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge aus dem Umfeld des Iran.

Laut einer Umfrage von AP-NORC vom 30. Juli sind 64 Prozent der amerikanischen Bevölkerung der Meinung, der Krieg sei es nicht wert gewesen. Diese Ablehnung fand in den Interviews am Sonntag keinen Ausdruck. Bei dem Streit im politischen Establishment geht es nur darum, wie sich die Stellung des US-Imperialismus im Persischen Golf retten lässt.

Welche Bedingungen auch immer sich im Persischen Golf ergeben, der Inhalt der amerikanischen Nahostpolitik zeigt sich in Gaza, wo das Morden weitergeht, obwohl am 10. Oktober 2025 ein Waffenstillstand in Kraft getreten ist. Wie das Gesundheitsministerium von Gaza am Samstag mitteilte, wurden seit Inkrafttreten des Waffenstillstands 1.257 Palästinenser durch israelische Truppen getötet und weitere 4.131 verwundet. Laut UNICEF befinden sich unter den Todesopfern etwa 300 Kinder.

Bei seiner Kabinettssitzung am Sonntag wies der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Gaza-Plan zurück, den Trumps Friedensrat am 30. Juli vorgelegt und den die Hamas akzeptiert hatte: „Ich möchte hier ganz genau sein: Israel lehnt den 15-Punkte-Plan ab.“

Am Dienstag begruben Trauergäste im Stadtviertel Sabra in Gaza-Stadt 112 Mitglieder der Familien Abu Sharia und al-Hasayna. Ihre Leichen wurden aus den Trümmern geborgen, unter denen sie seit einem israelischen Luftangriff vom 22. November 2023 verschüttet waren, bei dem 308 Mitglieder der beiden Familien getötet wurden. Der Zivilschutz von Gaza nannte es das größte Massenbegräbnis in der Geschichte Palästinas.

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