Perspektive

US-Supreme Court gibt grünes Licht für die Hinrichtung von Christa Pike

[AP Photo/George Walker IV]

Am Dienstagabend machte der Oberste Gerichtshof der USA den Weg frei für die Hinrichtung von Christa Gail Pike, die einzige Frau in der Todeszelle des Bundesstaates Tennessee. Das Gericht lehnte ihren Antrag auf einen Aufschub in einem kurzen, aus zwei Sätzen bestehenden Beschluss ohne vermerkte Gegenstimmen ab.

Die 50-jährige Pike soll am heutigen Mittwoch um 10:00 Uhr Ortszeit (17:00 Uhr deutscher Zeit) in der Riverbend Maximum Security Institution in Nashville hingerichtet werden. Sie war 18 Jahre alt, als sie eine Klassenkameradin ermordete, und saß seit ihrer Verurteilung fast 30 Jahre im Gefängnis.

In der Berufung vor dem Gerichtshof warfen Pikes Anwälte die Frage auf, ob es nicht eine grausame und ungewöhnliche Strafe sei, eine Frau hinzurichten, die als Kind wiederholt vergewaltigt wurde und die – wie Experten warnen – diese Übergriffe bei ihrem Tod erneut durchleben wird. Die Richter ließen sich nicht dazu herab, darauf zu antworten.

Dieses Urteil stammt von einer faschistischen Clique, die den Gerichtshof kontrolliert. 2019 hatte sie erklärt, dass der 8. Zusatzartikel der US-Verfassung „einem Gefangenen keinen schmerzlosen Tod garantiert“. Es wurde keine Abstimmung angekündigt. Auch gibt es keine Hinweise auf abweichende Meinungen der nominell liberalen Richterinnen Sonia Sotomayor, Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson.

Der Supreme Court hat 2024 nur eine Hinrichtung aufgeschoben, 2025 keine und 2026 bislang ebenfalls keine. Gouverneur Bill Lee, ein Republikaner, lehnte am Montag eine Begnadigung ab: „Ich halte an dem Urteil des Staates Tennessee fest und habe nicht vor, einzugreifen.“

Pike war zum Zeitpunkt ihrer Tat 18 Jahre alt, schwer traumatisiert und psychisch krank. Von den mehr als 200 Menschen, die seit 1976 in Tennessee zum Tode verurteilt wurden, waren nur acht zum Zeitpunkt der Tat 18 Jahre alt. Bei den anderen sieben, allesamt Männer, wurden die Todesurteile aufgehoben. Pike ist zudem die erste Frau, die in diesem Bundesstaat seit dem Amerikanischen Bürgerkrieg hingerichtet wird. Die letzten Todesstrafen gegen Frauen wurden vollstreckt, als Tennessee noch ein Sklavenstaat war: Eve Martin, eine freie Frau, wurde 1820 wegen Beihilfe zum Mord gehängt. Eine versklavte Frau namens Sarah wurde 1848 gehängt.

Pike wurde am Dienstag aus dem Frauengefängnis in Nashville nach Riverbend verlegt, wo ihr in der Hinrichtungskammer eine einzige Megadosis Pentobarbital, ein Barbiturat, injiziert wird – eine Methode, die nachweislich ein Lungenödem und das Gefühl des Ertrinkens hervorruft. Die letzte Hinrichtung in Tennessee war am 5. August 2025, als der geistig behinderte Häftling Byron Black mit derselben Methode wie Pike getötet wurde. Laut Zeugen war er fünf Minuten nach Beginn der tödlichen Injektion noch bei Bewusstsein und stöhnte.

Pike wird wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer hingerichtet. Pikes Freund Tadaryl Shipp, der an der Tat beteiligt war, verbüßt eine lebenslange Haftstrafe, da er zum Zeitpunkt des Mords erst 17 Jahre alt war und daher nicht für die Todesstrafe in Frage kam.

Kürzlich sagte sie über ihre Tat: „Ich war ein psychisch krankes 18-jähriges Mädchen. Ich habe viele Jahre gebraucht, um überhaupt zu begreifen, wie schwerwiegend das war, was ich getan hatte. … Ich habe jemandem sein Kind, seine Schwester, seine Freundin genommen. Es macht mich heute krank, wenn ich daran denke, dass ich fähig war, ein solches Verbrechen zu begehen.“

Erst nachdem sie zum Tode verurteilt worden war, wurde bei ihr eine bipolare Störung und eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert. Ihre Anwälte haben nachgewiesen, dass der starke Alkoholkonsum ihrer Mutter während der Schwangerschaft zu einer Schädigung des Frontallappens geführt hat. Daher war sie nicht in der Lage, „auf die Bremse zu treten“, als die geplante Prügel gegen Slemmer zu einem brutalen Mord eskalierte.

Als Kind im Alter von zwei bis fünf Jahren wurde sie wiederholt vom Freund ihrer Großmutter sexuell missbraucht. Mit elf Jahren wurde sie von einem 37-jährigen Nachbarn vergewaltigt, der eine Bewährungsstrafe erhielt und nur ein paar Häuser weiter von ihr zog. Mit 17, fast genau ein Jahr vor dem Mord an Slemmer, wurde sie von einem Fremden vergewaltigt, der sie in den Wald zerrte.

In einer Stellungnahme an das Gericht warnte ein Sachverständiger: „Es besteht ein erhebliches Risiko, dass sie das Gefühl hat und glaubt, zu Tode vergewaltigt zu werden“, und dass „sie die Geräusche, die Gerüche und den Schmerz erneut durchleben wird“. Der stellvertretende Generalstaatsanwalt von Tennessee, William Ayers, konterte unter Berufung auf die Urteile des Obersten Gerichtshofs: „Der Maßstab ist keine schmerzfreie Hinrichtung. … Psychischer Schaden allein stellt keinen Verstoß dar.“

Pikes vom Gericht bestellter Hauptverteidiger William Talman hat noch nie zuvor einen Fall mit Todesstrafe verhandelt, ebenso wenig wie der Prozessrichter. Talman beauftragte eine klinische Psychologin, die Unterlagen zu Pikes Missbrauch und Trauma zusammenstellte, entschied sich jedoch in letzter Minute, sie nicht als Zeugin aufzurufen. Der Verteidiger brachte keine Zeugenaussagen zu Pikes psychischer Erkrankung, ihrer Hirnschädigung oder ihrer Vergewaltigungsgeschichte vor und argumentierte auch nicht, dass sie aufgrund ihres jungen Alters verschont werden sollte.

Nach ihrer Verurteilung verbrachte Pike rund 28 Jahre unter nahezu vollständiger Einzelhaft in einer etwa 2 mal 4 Meter großen Zelle. Laut einer 2022 eingereichten Klage befanden sich darin lediglich ein Bett, Regale, ein Waschbecken und eine Toilette. Sie musste dort täglich 22 bis 24 Stunden verbringen.

UN-Berichterstatter haben gewarnt, dass Pikes Hinrichtung gegen „das absolute Verbot von Folter und anderen Formen der Misshandlung“ verstoßen würde. Doch sie bekam auf keiner Instanz Recht – vom erstinstanzlichen Gericht bis hin zum Obersten Gerichtshof.

Die Hinrichtung von Christa Pike zeigt einmal mehr, dass die USA weltweit zu den Ländern gehören, in denen am häufigsten Todesurteile vollstreckt werden. Hier stehen sie auf einer Stufe mit China, dem Iran, Saudi-Arabien, dem Irak, Ägypten, Singapur und Kuwait. Die USA haben wiederholt gegen die Resolutionen der UN-Generalversammlung gestimmt, die ein Moratorium für Hinrichtungen fordern und seit 2007 regelmäßig verabschiedet werden.

Die Hinrichtungskammer bildet die Spitze eines riesigen Strafapparats. In den USA sind jeden Tag fast 2 Millionen Menschen inhaftiert, mehr als 2.000 harren landesweit in der Todeszelle aus. Mit 608 Gefangenen pro 100.000 Einwohnern haben die USA unter den vergleichbaren Ländern die höchste Inhaftierungsrate.

Die Gefängnisinsassen stammen überwiegend aus armen Verhältnissen und der Arbeiterklasse, wobei Schwarze und Hispanics überproportional vertreten sind. Psychisch Kranke und Menschen mit geistiger Behinderung, denen außerhalb der Gefängnismauern eine angemessene Versorgung verwehrt bleibt, landen zunehmend im Gefängnis – und wie Christa Pike und Byron Black auf dem Hinrichtungsstuhl.

Dieselbe herrschende Klasse, die nun eine traumatisierte Frau in Amerika fesselt und hinrichtet, mordet ungestraft auf der ganzen Welt. Laut Menschenrechtsorganisationen sind seit Beginn des US-Angriffskrieg gegen den Iran im Februar 3.684 Menschen getötet wurden, darunter etwa 1.721 Zivilisten und bis zu 168 Schulmädchen. UN-Experten sprechen von 223 „rechtswidrigen Tötungen auf See“ innerhalb eines Jahres. Dabei handelt es sich überwiegend um Fischer in der Karibik, die von der Trump-Regierung unter dem Vorwand der Bekämpfung des Drogenhandels getötet wurden.

Im eigenen Land richtet sich die Gewalt mit zunehmender Brutalität gegen Einwanderer und die Arbeiterklasse insgesamt. Laut Zahlen vom 11. Juli hält die Einwanderungspolizei ICE mehr als 65.000 Menschen in Haft, von denen die überwiegende Mehrheit keine Straftat begangen hat. Agenten der ICE und der Grenzschutzbehörde CBP haben in diesem Jahr mindestens vier Menschen kaltblütig erschossen: Renée Good und Alex Pretti in Minneapolis, Lorenzo Salgado Araujo in Houston und Johan Sebastián Durán Guerrero in Biddeford (Maine). Nach Angaben von „Mapping Police Violence“ wurden im Jahr 2025 mindestens 1.201 Menschen von der Polizei getötet, nach einem Rekordwert von 1.271 im Vorjahr 2024.

Die Barbarei und Gewalt des Staatsapparats spiegeln die Realität der Klassenherrschaft in Amerika wider. Das gesamte System wird von einer kriminellen kapitalistischen Oligarchie kontrolliert.

Trump, der diese Oligarchie verkörpert, hat die Todesstrafe zu einem zentralen politischen Ziel gemacht. Am Tag seiner Amtseinführung 2025 unterzeichnete er das Dekret „Wiederherstellung der Todesstrafe und Schutz der öffentlichen Sicherheit“. Darin wird der Justizminister angewiesen, Todesurteile für alle Verbrechen zu verhängen, deren Schwere eine entsprechende Strafe erfordern würden, insbesondere die Tötung von Polizisten und Kapitalverbrechen durch Migranten ohne Papiere. Trump will auch bisherige Urteile des Obersten Gerichtshofs kippen, die die Todesstrafe einschränken.

Die Folgen werden bereits deutlich. Im Jahr 2025 wurden in elf Bundesstaaten 47 Menschen hingerichtet – so viele wie seit 2009 nicht mehr. Allein in Florida war es eine Rekordzahl von 19. Die Hinrichtung von Pike wird die 29. in diesem Jahr und die 1.683. seit der Wiedereinführung der Todesstrafe durch den Supreme Court im Jahr 1976 sein.

Neben der tödlichen Injektion haben die Bundesstaaten andere grausame Methoden wiederbelebt oder entwickelt: den elektrischen Stuhl, das Erschießungskommando, tödliches Gas und Ersticken mit Stickstoff. Die staatlichen Henker suchen weiterhin nach einer „humanen“ Methode, um den staatlich sanktionierten Mord an einem Menschen zu vollziehen – werden diese aber niemals finden.

Die Demokraten haben die brutale Praxis der Todesstrafe erleichtert und gefördert. Das von Bill Clinton 1996 unterzeichnete Antiterrorismusgesetz und Gesetz zur wirksamen Anwendung der Todesstrafe führte eine einjährige Frist für sogenannte Habeas-Corpus-Anträge ein, mit denen Gefangene die Rechtmäßigkeit ihrer Inhaftierung oder Verurteilung von einem Bundesgericht überprüfen lassen können. Außerdem mussten Bundesgerichte grundsätzlich die Entscheidungen der Gerichte einzelner Bundesstaaten respektieren, sofern diese nicht gegen „eindeutig feststehendes Bundesrecht“ verstießen. Damit wurde die Maschinerie der Todesstrafe beschleunigt.

Barack Obama schrieb 2006: „Ich glaube, es gibt einige Verbrechen – Massenmord, die Vergewaltigung und Ermordung eines Kindes –, die so abscheulich und so jenseits aller Grenzen sind, dass es gerechtfertigt ist, wenn die Gemeinschaft das volle Ausmaß ihrer Empörung durch die Verhängung der höchsten Strafe zum Ausdruck bringt.“ Joe Biden versprach, sich für die Abschaffung der Todesstrafe auf Bundesebene einzusetzen, doch im Wahlprogramm der Demokraten für 2024 wurde jeglicher Hinweis darauf gestrichen. Zu Trumps Bestrebungen, die Todesstrafe auszuweiten, haben sich die Demokraten bislang nicht geäußert.

Im Februar 1853 betonte Karl Marx in der New York Daily Tribune, dass die Todesstrafe im Licht der Klassenverhältnisse bewertet werden muss: „Es ist eben schwer, wenn nicht gar unmöglich, ein Prinzip aufzustellen, womit man die Berechtigung und Zweckmäßigkeit der Todesstrafe in einer auf ihre Zivilisation stolzen Gesellschaft zu begründen vermöchte.“

Betrachtet man die Statistiken, die zeigen, dass Verbrechen mit der Regelmäßigkeit von Naturerscheinungen wiederkehren, so Marx, „besteht da nicht die Notwendigkeit – statt den Scharfrichter zu verherrlichen, der eine Partie Verbrecher beseitigt, nur um wieder Platz für neue zu schaffen –, ernstlich über die Änderung des Systems nachzudenken, das solche Verbrechen züchtet?“

Der Kampf für die Abschaffung der Todesstrafe ist Teil einer wachsenden Bewegung der internationalen Arbeiterklasse gegen das kapitalistische System, das Armut, Missbrauch und Gewalt hervorbringt und darauf mit dem Henker antwortet. Die Hinrichtung von Christa Pike zeigt, dass dieser Kampf nicht den Gerichten oder der Demokratischen Partei überlassen werden darf, die immer wieder bewiesen haben, dass sie dem Kapitalismus loyal dienen.

Die Abschaffung der Todesstrafe ist untrennbar verbunden mit der Verteidigung aller demokratischen und sozialen Rechte sowie mit dem Kampf gegen Ungleichheit, Krieg und Polizeigewalt. Dafür ist es notwendig, die Socialist Equality Party in den USA, die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) und das Internationale Komitees der Vierten Internationale aufzubauen.

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