Bundesregierung und Bundeswehr treiben die Umwandlung des Luftwaffenstützpunkts Rostock-Laage im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern in eine zentrale Militärdrehscheibe für die deutsche Luftwaffe und die Nato voran.
Seit 2024 wird der norddeutsche Luftraum gezielt zum militärischen Nato-Schwerpunkt umgerüstet. Erklärtes Ziel der Herrschenden in Berlin und Brüssel ist, die „baltische Verteidigungslücke“ an der „Ostflanke zu Russland“ schnellstmöglich zu schließen.
Damit wird der Standort zu einem wesentlichen Baustein in der aggressiven Aufrüstungsspirale des deutschen Imperialismus. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) lässt dabei keinen Zweifel darüber, dass bewusst auf eine offene militärische Konfrontation mit Russland hingearbeitet wird.
Schon in den beiden Weltkriegen expandierte die deutsche Bourgeoisie brutal gen Osten, hinterließ verbrannte Erde und beging ungeheuerlichste Verbrechen. Heute knüpfen die deutschen Imperialisten wieder offen an diese Tradition an: Sie treiben den Umbau Deutschlands zur militärischen Führungsmacht Europas voran, um insbesondere in Nord- und Osteuropa ihr militärisches und politisches Gewicht auszubauen.
Hierfür will die Bundeswehr den etwa 30 Kilometer vom Zentrum der ostdeutschen Hansestadt Rostock entfernten zivilen Flughafen Rostock-Laage, der unmittelbar an den militärischen „Fliegerhorst Laage“ grenzt, in eine militärische Festung verwandeln.
Offiziell seit Mitte Dezember prüft die Bundeswehr die Übernahme des ab den 1990er Jahren zivil betriebenen Flughafenbereichs. Dies sei notwendig aufgrund der „veränderten Sicherheitslage“, die einen „deutlichen Aufwuchs der Streitkräfte“, einschließlich „infrastrukturellem Bedarf“ notwendig mache, so eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums Mitte Januar 2026. Bundesweit würden zahlreiche Liegenschaften geprüft.
Der Fliegerhorst Laage ist einer der vier zentralen Eurofighter-Standorte Deutschlands mit ca. 920 Militärangehörigen und rund 35 Eurofighter-Kampfjets, die mit den insgesamt ca. 138 im Bundesbesitz befindlichen Eurofightern das Rückgrat der deutschen Kampflugzeugflotte bilden.
Mit seiner geographischen Lage, nur rund 700 km Luftlinie von Kaliningrad entfernt, ist er zugleich eine der geostrategisch günstigsten deutschen Luftwaffenbasen für den schnellen Zugang zum Baltikum. Ein Eurofighter könnte unter guten Bedingungen und in Kampfgeschwindigkeit (ca. 1.900 km/h) die russische Enklave Kaliningrad (ehemals Königsberg) in etwa 20 Minuten erreichen.
Die Luftwaffe unterhält hier die bundesweit einzige Pilotenschule für Eurofighter-Piloten, überwacht den Luftraum und unternimmt mit ihrer „Alarmrotte“ (zwei bewaffnete Eurofighter) Abfangflüge über der Ostsee. Vorübergehend wurde diese um eine zweite „Alarmrotte“ aufgestockt. Regelmäßig beteiligt sich das Geschwader an Nato-Operationen, wie im September 2025 an der „Operation Eastern Sentry“.
Schon im Juni 2025 berichtete der Norddeutsche Rundfunk, dass die Bundeswehr Investitionen in Höhe von rund einer Milliarde (!) Euro in den kommenden 10 bis 15 Jahren für den weiteren Ausbau des Standorts vorgesehen hat.
Die geplanten Investitionen sollen Start- und Landebahn, Energieversorgung, Munitionslager, Staffel- und Gefechtsstände sowie Schutzbauten (gegen Beschuss und Feuer) für die Eurofighter-Flotte und Munition wie Lenkraketen „modernisieren“. In Wahrheit wird die militärische Schlagkraft und Schutzfähigkeit gegenüber Gegenangriffen erheblich gesteigert.
Die Um- und Ausbaupläne für den Fliegerhorst Laage sind kein Einzelfall.
Sie reihen sich ein in das „Zielbild“ von Einsatzfähigkeit und digitaler Vernetzung der Bundeswehr, in welchem der zukünftige Luftwaffenstützpunkt Rostock-Laage zusammen mit dem maritimen taktischen Nato-Hauptquartier „CTF Baltic“ in Rostock eine zentrale Rolle in einer digitalen und vollständig vernetzten „Luftverteidigungsinfrastruktur“ an der Nato-Ostflanke einnehmen soll.
Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass die bisherige Mischnutzung (militärisch und zivil) des Airports erst einmal beibehalten werden sollte, wird der Flughafen in eine Festung verwandelt, von der aus die neue deutsch-europäische Großmachtpolitik von Bundeskanzler Friedrich Merz aggressiv gegen Russland vorangetrieben werden kann.
Mit dem „Operationsplan Deutschland“ (OPLAN DEU) stellt die Merz-Regierung sicher, dass sämtliche zivilen Kapazitäten und Infrastruktur den Bedürfnissen des Militärs unterordnet werden. Zuständigkeiten für den militärischen Ernstfall wurden bereits Ende letzten Monats in Berlin geklärt – mit dem expliziten Ziel, Deutschland zur Host-Nation und logistischen Drehscheibe für alliierte Truppen zu machen. Die Einbindung von Flughäfen, Bahn, Stadtwerken, Krankenhäusern und Rettungskräften in solche Szenarien bedeutet die faktische Militarisierung ganzer Verwaltungs- und Versorgungszweige.
Schon seit längerem probt die Luftwaffe das Landen ihrer Eurofighter auf Zivilflughäfen, die „im Ernstfall“ zu Umschlagplätzen für Truppen, Material und Treibstoff – und damit zum regulären Angriffsziel der Gegenseite – würden.
Für die stark vom Tourismus abhängige Ostsee-Region wäre die Umwandlung von Rostock-Laage in einen reinen Militärflughafen in jeder Hinsicht mit erheblichen Nachteilen verbunden. Zwar verzeichnet der größte Regionalflughafen Mecklenburg-Vorpommerns mit rund 10.900 Flügen – darunter zivile Transportflüge – und etwa 36.000 Passagieren (Stand 2025) ein vergleichsweise geringes Flugaufkommen. Dennoch wären zahlreiche Arbeitsplätze im zivilen Tower- und Bodenbetrieb sowie im Tourismus und angrenzenden Wirtschaftszweigen gefährdet.
Geschäftsführerin Ira Lauth der betroffenen Betreibergesellschaft zeigte sich völlig überrascht von den Bundeswehr-Plänen. Bisher habe man „gut mit der Luftwaffe zusammengearbeitet“ und sich „Ende 2025 zu einer gemeinsamen Investition in ein neues Instrumentenlandesystem bekannt. Wir wollen helfen, Personal für den Tower zu stellen“, so Lauth gegenüber ntv.
Auch die Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns, Manuela Schwesig (SPD), und Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linkspartei) bemängeln allenfalls die wirtschaftlichen Einbußen.
„Aus unserer Sicht sollte der zivile Betrieb fortgeführt werden. Falls der Bund seine Prüfung mit einem anderen Ergebnis beendet, wäre ein Aus des zivilen Flugbetriebes ein Verlust für die Region Rostock“, so Kröger.
Diese lapidare Haltung ist nicht überraschend. Einige handzahme Lippenbekenntnisse gegen Aufrüstung und Forderungen nach „Geldsegen“ für den zivilen Sektor und nicht nur für die Bundeswehr ändern nichts daran, dass die Linkspartei auf Bundesebene Kreditermächtigungen und auf Landesebene Haushaltsposten mitträgt, die die Kosten der Aufrüstung auf die Arbeiterklasse abwälzen.
Seit dem ersten Golfkrieg 1990–1991 führen die Vereinigten Staaten ununterbrochen Krieg. Gestützt auf ein marxistisches Verständnis der Widersprüche des US- und des Weltimperialismus analysiert David North die Militärinterventionen und geopolitischen Krisen der letzten 30 Jahre.
Im März 2025 stimmten die Vertreter der Linkspartei von Mecklenburg-Vorpommern im Bundesrat für die Kreditermächtigung der Bundesregierung zur Aufrüstung und militärischen Infrastruktur. Und während die Linkspartei des Landes im Dezember auf ihrer Website hinausposaunte, Jugendliche im Kampf gegen die Wehrpflicht zu unterstützen, und zynisch „eine klare Absage an Aufrüstung“ forderte, verliert sie kein Wort über den Ausbau des Rostocker Hafens und des Flughafens Rostock-Laage zu militärischen Drehkreuzen des deutschen Imperialismus und der Nato.
Gleiches gilt für die Bundespartei. Nach ihrer Unterstützung für die Kriegskredite verhalf sie Merz zur schnellen Kanzlerwahl. Sie unterstützt im Kern den Kriegskurs der Bundesregierung, verbreitet die Lüge des „unprovozierten“ Angriffs Russlands auf die Ukraine und fordert mit Blick auf die Trump-Regierung und die wachsende Instabilität des Nato-Bündnisses eine größere militärische Unabhängigkeit von den USA.
So erklärte Jan van Aken letzte Woche im ntv-Interview seine Unterstützung für die Bundeswehr, denn: „Wir brauchen eine starke EU- und Landesverteidigung, und beides geht nicht nur mit Wattebäuschchen“.
Ungeniert übernahm er die Kriegslogik der Bundesregierung. „Es braucht auch Rüstung, das gehört dazu“, und stellte klar: „Ich möchte nicht im Rahmen der Nato denken, sondern im Rahmen der EU. Aber natürlich brauchen wir Beistandsverpflichtungen. Wir können Länder wie das Baltikum, Polen oder Finnland doch nicht Russland zum Fraß vorwerfen.“
Das ist die Sprache von Kriegstreibern! Und sie kommt nicht von ungefähr. Die stalinistische Vorläuferorganisation der Linkspartei, die SED/PDS, hat aktiv die Einführung des Kapitalismus in Ostdeutschland und damit die Voraussetzung für die Rückkehr des deutschen Militarismus unterstützt. Gleichzeitig setzt sie überall dort, wo sie mit SPD und Grünen auf Landesebene regiert, die notwendigen sozialen Angriffe durch, um die horrenden Kosten der Militarisierung auf die Bevölkerung abzuwälzen.
Die Umwandlung des Luftwaffenstützpunkts Rostock-Laage in eine reine Nato-Basis mit erhöhtem Sicherheitsstatus – wie das CTF Baltic – ist gleichermaßen bedrohlich und de facto illegal.
Mit der Stationierung nicht nur deutscher, sondern auch von Nato-Piloten – sowie deren Ausbildung und Einsatz – würde die Bundesregierung erneut den Zwei-plus-Vier-Vertrag brechen, mit dem die Wiedereinführung des Kapitalismus auf dem Gebiet der DDR besiegelt wurde. Er legt fest, dass keine ausländischen Streitkräfte und Atomwaffen oder deren Träger in Ostdeutschland stationiert oder dorthin verlegt werden dürfen. Bereits auf die Einweihung des CTF Baltic 2024 reagierte Russland mit der Einberufung des deutschen Botschafters Alexander Graf Lambsdorff und der Androhung einer „entsprechenden Antwort von russischer Seite“.
Dass die Bundesregierung systematisch das Fundament des Zwei-plus-Vier-Vertrags untergräbt, zeigt die Skrupellosigkeit der deutschen und europäischen herrschenden Klasse und legt einmal mehr ihr Ziel offen, einen Krieg mit der Atommacht Russland zu provozieren und die Auslöschung allen Lebens in Europa in Kauf zu nehmen.
Gleichzeitig ist Laage Teil einer massiven europäischen Aufrüstung, die Deutschlands Anspruch auf die militärische Führungsrolle untermauert. Dazu gehören der Ausbau von Satelliten-Netzwerken, die Militarisierung der Raumfahrt sowie die Ausweitung der eigenen Langstreckenfähigkeiten, die auf eine militärische Eigenständigkeit der EU-Staaten gegenüber den USA abzielen.
Dieser Kurs erhöht die Kriegsgefahr und gleichzeitig die Vorherrschaft des Militärs über die zivile Gesellschaft. Wie in den USA unter dem Einfluss von Wall Street, Silicon Valley und der Trump-Regierung greifen dabei auch in Europa die Herrschenden zunehmend auf autoritäre Mittel und rechtsextreme Kräfte zurück, um ihre Profite sowie die ökonomische und geopolitische Vorherrschaft zu sichern.
Diese Politik erfordert umfassende Angriffe auf die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiterklasse und provoziert wachsenden Widerstand. Die Spirale aus Aufrüstung, Repression und sozialer Zerstörung kann nur durch die organisierte internationale Arbeiterklasse im bewussten Kampf gegen das kapitalistische System gestoppt werden.
